Meinung
"Konzentriert"
Der Chefideologe der FPÖ ist jetzt Innenminister und bleibt sich als rechter Provokateur treu ... was sollen wir tun? Es ignorieren?
Reportagen
Mimi
Und dann sah sie mich an ... mit ganz anderen Augen
Meinung
Gier, Gewissen, Gerechtigkeit
Angelobt! Gedanken zu einer neuen Bundesregierung, Teil III

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18.01.19:01
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Tag 18 - "Unser Kanzler"

Es war zwischen den Kurz-Besuchen bei Emmanuel Macron und Angela Merkel, als der Herausgeber und Chefredakteur der Dodel-Postille Österreich einmal mehr seine geradezu hündische Ergebenheit für den neuen Kanzler zur peinlichen Schau stellte. Ob es die pure Hoffnung ist, dass ihm der neue "Polit-Amadeus" über die kommenden Jahre artig Inseraten-Stockerln zum Apportieren wirft oder ehrliches Anhimmeln, wie wie es von kreischenden Groupies bei Popkonzerten kennen, ist nicht überliefert. Zu fürchten ist, dass es ich um eine Kombination aus beiden Faktoren handelt. Tatsache ist, dass der so genannte Blattmacher offensichtlich sein Redaktionsteam dazu anhält, die Kurz-Dosis in seinem Blättchen konstant hoch zu halten, um nur ja kein Risiko auf Ablehnung und Subventionsentzug einzugehen. Und so zählte der geschätzte Kollege Dietmar Chmelar in der jüngsten Ausgabe genau 20 Fotos, die Sebastian Kurz zeigen. In einer einzigen Zeitung wohlgemerkt. 20 Bilder des ÖVP-Chefs, in allen denkbaren beruflichen und privaten Posen. Da ist es natürlich kein Wunder, dass die Kronen Zeitung im öffentlichen Wettschleimen und im fast schon grotesken Versuch, via Volkskanzler Kurz das Gefühl von Nationalstolz erzeugen zu wollen, nicht zurückbleiben wollte. Und ich finde, die Übung gelang. Denn die Schlagzeile für 2,8 Millionen Leser anlässlich des Deutschland-Besuchs von Kurz ist ohne Zweifel ein Kandidat für die Top-10 aus der Kategorie "Unterirdischer Journalismus". Da kann einem ja sogar schon der schwarze Heilsbringer leid tun, weil er sich gegen so viel jämmerlicher Anbiederung nicht wehren kann, falls er das wollte. Der Titel lautete: "Kurz-Festspiele in Deutschland", plus Überzeile: "Berlin liegt unserem Kanzler zu Füßen". Da stört es die von allen Äquidistanzgeistern verlassenen Boulevard-Seppeln auch nicht im geringsten, dass in den sozialen Netzwerken augenblicklich Bilder auftauchten, die zeigten, dass der Staatsempfang nur von rund hundert Schaulustigen verfolgt wurde, die noch dazu alle standen. Eine Berliner Bauchlage vor "unserem Kanzler" war also eher nicht auszumachen, aber das war von den Krone-Dichtern ja auch sicherlich nur metaphorisch gemeint (warum auch immer die Deutschen Sebastian Kurz huldigten sollten). Ein Berliner twitterte jedenfalls, um Klarheit zu schaffen: "Liebe Krone, hier gibt es keine Festspiele. In Berlin schneit es, hier sitzt man bei der Arbeit oder in der Bude. Btw: Kaum jemand weiß, dass Sebastian Kurz da ist. Aber wir wissen aus der Geschichte: Nie wieder einem Österreicher zu Füßen liegen! Liebe Grüße, Berliner Bürger." Aber vermutlich wusste der gute Mann nicht, dass Sebastian Kurz nicht nur bei Merkel vorbeischaute, sondern auch noch bei Sandra Meischberger, unter dem Talk-Titel "Wunderknabe oder politischer Scharfnacher?" was für eine Frage? Recherchieren die Kollegen denn nicht in Österreich? Ist doch alles geklärt, und von wegen "Die zarteste Versuchung, seit es Populismus gibt." Sebastian Kurz hat auf die Frage nach der Koalition mit Rechtsextremen gleich einen eleganten Haken geschlagen und festgehalten, dass es selbstverständlich auch für ihn rote Linien gäbe (wo genau die beginnen, wenn "konzentriert" diesbezüglich kein Thema ist, will man sich gar nicht so genau ausmalen). Allerdings gelte das konsequente Erkennen von Grenzen nicht nur "nach rechts". Es sei nämlich in der Vergangenheit in Österreich auch gegen Leute gehetzt worden, die reich seien, argumentierte er, und das lehne er ebenfalls ab. Was für ein Vergleich, muss einem erst einmal einfallen. Dass sich in diesem Moment nicht die Erde aufgetan hat und den schamlosen Kanzler verschluckt hat, ist aus meiner Sicht ein Wunder. Aber wer, wenn nicht er, vermag nun einmal allen Naturgesetzen zu trotzen? Die Schlagzeilen-Produzenten von Österreich und Kronen Zeitung werden es sabbernd zur Kenntnis nehmen.

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17.01.18:59
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Tag 17 - Die Pilz-Farce

Das also auch noch. Peter Pilz hat angekündigt, in den Nationalrat zurückzukehren. Ich habe echt schon sehr viel über den entgleisten Egomanen geschrieben, und ich kann längst kein Geheimnis mehr daraus machen, wie wenig ich Persönlichkeiten dieses Zuschnitts, so verdienstvoll sie einst auch gewesen sein mögen, im Nationalrat sehen mag. Umso mehr will ich daher versuchen, den Comeback-Plänen von Pilz mit unpolemischer Bewertung zu begegnen. Also: Da wäre einmal die Liste, von der sich der mehrfach belastete Madatar nie hat streichen lassen. Wohl wissend, dass er sich auf die Suche nach der Hintertür machen wird. Es ist daher zumindest erlaubt, an der Redlichkeit von Pilz zu zweifeln, als er seinen Rücktritt verkündete. Dennoch gilt rechtlich die Unschuldsvermutung, und seine Anhänger werden auch nie müde, das zu betonen. Ohne Urteil bleibt es bei Anschuldigungen, und die können doch kein Grund für ein Berufsverbot sein. Dazu zweierlei. Erstens sollte zumindest der Hinweis darauf erwähnt sein, dass sich Politiker zwar wie alle anderen Menschen auch im Rahmen der Gesetze zu bewegen haben, weshalb ihnen auch die gleichen Rechte zustehen. Zweitens aber steht trotzdem der Beruf des Politikers hinsichtlich Vorbildwirkung und eines untadeligem Umgangs mit gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten über allen anderen. Wenn sich nicht einmal die gewählten Volksvertreter im Rahmen bewegen, wer sollte es sonst noch tun? Interessanterweise war genau das so oft der politische Ansatz von Pilz. Das beharrliche Aufzeigen von Unvereinbarkeiten mit dem Amt eines Parlamentariers. Daher hat es nun auch einen bitteren Beigeschmack, wenn Klubchef Peter Kolba nicht nur Verschwörungen (die Gegner würden Pilz mundtot machen wollen) und Verharmlosungen (es wären doch bitte keine Vergewaltigungen, sondern lediglich Belästigungen gewesen) wittert, sondern allen Ernstes auch Verjährungen ins Spiel bringt. Ausgerechnet ein Vertreter der Liste Pilz tut das. Nur zur Erinnerung: Als die FPÖ genau das immer wieder versucht hatte, war kaum jemand so erpicht darauf festzuhalten, dass es zwar rechtliche Verjährungen gebe, aber unter keinen Umständen moralische. Und in genau diesem Sinne müsste sich Pilz selbst treu bleiben. Obwohl in der Sache sexueller Übergriffe nichts bewiesen ist. Aber was konkret ist passiert? Pilz ist vor drei Monaten zurückgetreten. Wegen eines heftigen Falls von Belästigung. Hätte er diesen Schritt nicht getan, könnte er definitiv - Protest hin oder her - für sich in Anspruch nehmen zu sagen: Alles wird geprüft, und sollte ich vom Staat irgendwann einmal für schuldig erklärt werden, ziehe ich die Konsequenzen und lege ich mein Amt nieder. An dieser sturen Haltung hätten sich die Kritiker zwar in Anbetracht der vielen Vorwürfe aufgerieben, aber Pilz hätte das Recht auf seiner Seite gehabt und auf den Faktor des allmählichen Vergessens (so es zu keiner Anklage kommt) bauen können. Aber so war es eben nicht. Und Pilz hat im Zuge einer (selbstgefälligen) Inszenierung der Einsicht und des Mahnens sein Adieu definiert. Eines, das aus moralischen Gründen das Gebot der Stunde gewesen wäre. Darauf hat er damals Wert gelegt. Es schien also ein Schuldeingeständnis zu sein, ohne jeden Zweifel. An der Faktenlage hat sich seit damals nichts geändert. Und zwar nicht das geringste. Aber mit einem Mal will Peter Pilz von jener moralischen Latte, die er selbst gut sichtbar platziert hat, nichts mehr wissen und statt dessen so schnell wie möglich (und von den alten journalistsichen Haberern wortreich unterstützt) in den Nationalrat zurückkehren. Nicht böse sein, wer (quasi nach einer längeren Urlaubspause des Beschuldigten) so eine Chronologie nicht mindestens für fragwürdig erachtet, den vermag ich beim besten Willen nicht zu verstehen. Wie glaubwürdig kann so jemand sein? Und wie jenseitig könnte das enden, wenn womöglich auch noch eine Frau für den Listengründer ihr Mandat zurückgeben muss ... pardon freiwillig zur Verfügung stellt. Vielen Menschen,die sonst mit Leidenschaft auf politische Integrität setzen, ist das egal. Mit dem Argument, es bräuchte in einer Zeit wie dieser mehr denn je einen kantigen, mutigen Oppositionellen, da dürften doch ein Busengrapscherl hier, ein Orschgreiferl da, eine sexistisce Wuchtel dort kein Hindernis sein. Das kann man so sehen. Man muss aber nicht. Zumal ich finde: Wie kantig kann ein Oppositioneller sein, dem dereinst bei jedem kleinsten Angriff von den Angegriffenen der Spiegel vorgehalten wird? Wie gefürchtet kann jemand sein, der sämtliche Maßstäbe, die er eine Karriere lang eloquent und entschlossen bei anderen angelegt hat, bei erstbester Gelegenheit nicht bei sich selbst anlegt? Und vor allem deshalb ist die Causa Pilz nun mehr denn je das, was sie in meinen Augen von Anfang an war: Eine Farce.

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16.01.18:17
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Tag 16 - Emotionale Defensio

Meine Güte, der Bub war zehn Jahre alt, als wir einander erstmals begegneten. Und er öffnete mir dankenswerterweise sein Herz so sehr, dass er als Sohn von Gabriele Kuhn sehr schnell jene Bedeutung in meinem Leben hatte, als wäre er mein eigener. Damals fragte er mich die üblichen Dinge wie „Warum geht ein Schiff nicht unter?“ oder „Wie entsteht ein Regenbogen?“, und ich bastelte mit letzter Kraft allerlei Halbwissen zusammen, um a) seine Neugier einigermaßen zu befriedigen und b) mir nicht anmerken zu lassen, dass ich bei näherer Betrachtung der völlig falsche Mann bin, um Naturgesetze zu erläutern.
Einerlei, weil der Bub ohnehin sehr früh seine Leidenschaft für die Wissenschaft erkannte und mir bereits als pubertierender Klugscheißer tausend physikalische, chemische und mathematische Gesetze um die Ohren schmiss, obwohl ich gar nicht danach gefragt hatte. Was jedoch immer da war und im Laufe der Jahre immer größer wurde: Meine Bewunderung für seinen Forschungsdrang, sein Wissen und seine grenzenlose Begeisterung. Die Hingabe, mit der er beispielsweise jahrelang bei Chemieolympiaden teilnahm, hat mich so begeistert, dass ich sehr gerne in lautstarkes Schwärmen verfallen bin in Anbetracht des konsequenten Wegs, den Kuhn junior gehen wollte. Ich durfte das, weil ich ja nicht der Vater bin und daher über jeden Verdacht erhaben, ihn mit einem lässigen Zwinkern als mein genetisches Meisterwerk offenbaren zu wollen.
Tja, und jetzt? Gestern trat der Bub am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu seiner Defensio an, und die wollte ich natürlich unbedingt hören. Sein Thema: „Cooling and manipulating the ro-translational motion of dielectric particles in high vacuum“. Sehr interessant, wie ich finde, weil dazu ja (auf Facebook zumindest) wirklich jeder eine ganz eigene Meinung hat. Und natürlich habe ich dem Buben in den letzten Wochen immer wieder angeboten, mit ihm den Stoff durchzugehen, wenngleich meine Detailkenntnis zu microcavity und high-mass interferometry schon ein bisserl eingerostet ist. Aber der Junior hat dankend abgelehnt, er wollte es ganz alleine schaffen … großartig, dieser Wille.
Und so geschah es auch. Nach der einstündigen Defensio, von der ich de facto nicht einen einzigen Gedanken auch nur im Ansatz verstanden oder gar begriffen habe, gleichzeitig aber völlig gefesselt war von den Ausführungen, deren wissenschaftliche Strahlkraft in jeder Minute faszinierend blieb, einigten sich die Professoren darauf, ihm den Doktortitel zu verleihen – mit Auszeichnung. Und in jenem Moment, als sie das coram publico aussprachen, packte mich die ganze Emotion so vieler Jahre des gemeinsamen Wachsens und Werdens, dass ich feuchte Augen bekam. Dann blickte ich neben mich und sah gnä Kuhn, wie ihr tausend Tränen übers Gesicht liefen. Ich umarmte sie und sagte ihr: „Ja, Quantenphysiker-Mami, kannst echt stolz sein.“
Es war einer der bewegendsten Augenblicke meines Lebens. Zumal der Herr Doktor sogar jene Smiley-Socken trug, die ich ihm zu Weihnachten schenkte, mit den Worten: „Traust Dich nie, die bei der Defensio anzuziehen.“ Aber er hatte den Mut. Wie so oft. Lieber Stefan, Respekt und Anerkennung, ich verneige mich vor Dir und Deiner grandiosen Leistung.

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Danke, ...

... sehr schön formuliert.
Michael Hufnagl 21.01.2018, 14:37

Reaktion

Wenn die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt, sind genetische Formeln zweitrangig.
Alex 21.01.2018, 06:11
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15.01.16:20
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Tag 15 - Opposition, wo bist Du?

Natürlich könnte ich jetzt noch 179 Artikel über die Unerträglichkeit dieser Regierungskonstellation schreiben. Es ist allerdings auf Dauer mühsam, den kritischen Cclown spielen zu müssen. Denn es ist schon irgendwie interessant: Durch den Wegfall der FPÖ und der Grünen wurde die Oppositionspolitik in diesem Land gefühlsmäßig in die Steinzeit zurückgeworfen. Zumindest ist das, was wir zuletzt wahrnehmen durften, eher in die Kategorie "Das ist es? Euer Ernst?" einzuordnen. Die Neos bemühen sich zwar, hin und wieder mit einem "Sapperlot!" aufzuzeigen, ganz sicher kann man sich aber bei denen nie sein, ob sie bei entsprechender Regierungsstrategie nicht doch die eine oder andere fragwürdige Verfassungsmehrheit garantieren würden. Die "Liste Pilz" ist ohne Pilz eher eine Liste Witz, anders kann man das gelegentliche und putzige "Hey, wir sind echt voll dagegen" kaum betrachten. Ein klassischer Fall einer Vereinigung von Menschen, die noch nicht einmal im Ansatz begriffen haben, dass sie jetzt plötzlich Politiker sein sollen. Oder zumindest so tun, als ob sie welche wären. Bleibt nur ... die SPÖ. Und die taumelt in ihrer selbst erschaffenen Orientierungslosigkeit von einem rechtspopulistischen Fettnapf in den nächsten, fein abgeschmeckt mit dem Kampf zweier Null-Charismatiker um den Wiener Bürgermeistersessel. Es ist echt ein Trauerspiel. Denn für eine sozialdemokratische Oppositionspartei könnte es vermutlich kaum eine feinere Ausgangsposition für eine Neuaufstellung und Neuausrichtung samt Kampfstimmung und Dauerpolemik geben als eine schwarzblaue Partnerschaft, in der Rechtsextreme den Sozialabbau aufbereiten. Aber speziell Christian Kern macht nicht im geringsten den Eindruck, als hätte er die SPÖ-Zügel in der Hand. Statt dessen ist der Parteichef offensichtlich noch immer in seiner Kanzlerwelt verloren gegangen und vermag den Weg aus dem Labyrinth in die beherzte und überzeugende Rolle des schmerzenden Stachels partout nicht zu finden. Im Gegenteil. Die Offensiven (wie gegen die Aktion 20.000) sind so unkreativ und zahnlos, dass die Regierung sie als Geschenk betrachten müsste. Also suchten die Genossen von heute auf morgen ihr Heil in einer Politik Marke FPÖ, weil dem Anschein nach irgendwelche Zielgruppenexperten meinen, in der MItte und links der Mitte sei in diesem Land nix mehr zu holen. Und so wurde zum Entsetzen zahlreicher Sozialdemokraten auf beinahe ekelhafte Weise die Angst verbreitet, ÖVP und FPÖ könnten durch Aufstockung und Regionalisierung der Mängelberufe 150.000 Zuwanderer (Fachkräfte plus Familiennachzug) ins Land holen. Was nicht nur gegen sämtliche zur Verfügung stehenden statistischen und wahrscheinlichkeitsmäßigen Fakten spricht, sondern vor allem gegen den menschlichen Anstand. Das Experiment, auf diese Art an die FPÖ verlorene Seelen zurückzuholen, ist daher nicht nur zum Schämen, sondern vermutlich auch ein sinnloses Unterfangen. Wo doch so viele kluge Köpfe die viel bessere Chance darin sehen, die beiden Parteien mit List und Lust gegeneinander auszuspielen. Denn schon in naher Zukunft könnte die FPÖ erkennen, was ihr blüht: Dass sie nämlich als Verräter der vielen kleinen Männer massenhaft Wähler an die ÖVP verliert (hatten wir doch schon alles) und daher den Spagat zwischen Pakttreue und Hintergehen trainieren wird müssen. Und bei genau dieser Übung sollte sie die SPÖ leidenschaftlich unterstützen. Aber was weiß ich schon? Und wie gesagt, ich bin nicht die Opposition, ich bin nur Beobachter und Chronist. Und wie zur Bestätigung liefert prompt Hans Peter Doskozil den nächsten Beweis für den neuen FPÖ-Kurs der eigenen Partei. Der Landesrat im Burgenland tat u. a. kund, dass bei den Freiheitlichen viele Wähler vor der Wahl eine andere Erwartungshaltung gehabt hätten, etwa bei der Asyl- und Migrationspolitik. Vor allem hinsichtlich der Rückführungsabkommen bei negativ beschiedenen Fällen vermisse er die rasche Umsetzung. Ob er damit seiner persönlichen Enttäuschung Ausdruck verlieh oder eher aufzeigen wollte, wie sehr die Blauen nun erkennen müssten, wie schwierig solche Vorhaben in der Handlungsrealität seien, ist einerlei. Denn die simple Botschaft ist klar: Ausländer raus ist super, aber der Weg dorthin voller Fallen udn Tücken. Und auch klar ist: Wenn die SPÖ statt dieses Mitschwimmens im Sumpfgebiet nicht bald in die richtige, angriffige und visionäre Oppositionsspur kommt und sich ein neues modernes Profil aneignet, wird das Erwachen noch bitterer als es am 15. Oktober schon war. Und Sebastian Kurz wird zum Profiteur, ohne etwas anderes zu tun als das, was er am besten kann: Keine Fehler machen.

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14.01.23:19
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Tag 14 - Von Marcel bis Messi

Manchmal, eh nur manchmal, denke ich mir: Ach herrje, wie gerne würde ich an so manchem Samstag oder Sonntag von früh bis spät vor dem Fernseher sitzen. Einfach nichts tun, außer gelegentlich Essen und Trinken herbeischaffen und dann den ganzen Tag lang Sport schauen. Heute war fast genau so ein Tag. Ich habe lautstark verkündet, dass heute (leider,leider) ein ziemliches Pflichprogramm für Freaks wie mich statfindet, also möge sich die Familie in Nachsicht üben. Zu Mittag sah ich mir den spektakulären Slalom von wengen an. Und freute mich besonders, weil Marcel Hirscher nicht nur wieder einmal Bestzeit in beiden Durchgängen fuhr, sondern auch zum ersten Mal in Wengen gewinnen konnte. Es war sein fünfter Slalomsieg hintereinander und sein 53. Weltcuptriumph überhaupt. Nur mehr ein Sieg fehlt ihm jetzt auf den besten Österreicher aller Zeiten, auf Hermann Maier. Es ist einfach nur unpackbar, wei der Kerl Ski fährt. Weitere Hirscher-Huldigungen erspare ich mir jetzt, weil von denen gab es zuletzt eh genug auf dieser Seite. Ein wenig später (nach einem Waldspaziergang mit Mimi) sah ich mir dann den großen Schlager der Premier League an. Liverpool gegen Manchester City. Und es sollte ein phänomenal gutes Spiel werden. In dem Liverpool mit Traumtoren 4:1 in Führung ging und am Ende noch zittern musste, nicht den Ausgleich zu kassieren. 4:3 endete die Partie. Und es war die erste Saisonniederlage für City. Was bedeutet: da auch Paris St. Germain, Juventus und Bayern nicht mehr ohne weiße weste dastehen, gibt es in Europa nur mehr eine Mannschaft, die bis dato noch kein match verloren hat ... eh klar, Barcelona. Aber Messi & Co. mussten erst am Abend ran. Dazwischen sah ich mir noch Borussia Dormund an, diesmal gegen Wolfsburg, weil ich natürlich neugierig bin, wie es Peter Stögers Team ergeht. Es sollte aber leider ein wenig prickelndes 0:0 werden. Nun war ich bereit für das Barca-Spiel in San Sebastian. Eine besonders knifflige Sache, denn über diesem Stadion liegt ein Fluch. Hier, in Anoeta, hat Barcelona gegem Real Sociedad seit 2007 nicht mehr gewonnen. Und es ging auch furchtbar los. Nach einer halben Stunde lag Barcelona 0:2 zurück, und ich sah bereits das Manchester-Schicksal auf die Mannschaft zukommen. Aber dann: Das 1:2 noch vor der Pause, und dann ein Doppelschlag von Suarez, schon war das Spiel gedreht. Das grandiose Freistoßtor von Messi zum 4:2 war dann noch ein Digestif vom Feinsten. Es bleibt dabei: Dieses Team ist, auch dank des neuen Trainers, in dieser Saison wieder richtig on top. Und eine kleine Besonderheit darf ich auch noch vermerken. Der Vorsprung auf Real Madrid (das ein Spiel weniger hat) beträgt bereits 19 Punkte. Damit ist - Achtung, jetzt kommt's - Real einem Abstiegsplatz näher als dem Tabellenführer. Me gusta mucho. Und ja, es war ein guter Tag.

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13.01.17:42
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Tag 13 - "Unter Beschuss"

Ich muss ehrlich sagen: Ich war schon lange nicht mehr so entsetzt, versteinert und verstört wie beim Lesen dieses Textes. Der ARD-Journalist und Blogger Richard Gutjahr kämpft mittlerweile seit drei Jahren gegen Psychoterror im Netz. Er und seine Familie werden seit 18 Monaten "von Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Antisemiten im Netz attackiert, verleumdet und bedroht", schreibt Gutjahr in seinem ausführlichen und lesenswerten Blogbeitrag "Unter Beschuss". Dabei schildert er ganz genau die bedrohliche und zerstörerische Dynamik der sozialen Netzwerke, und in welcher irren Wucht er mit Hass und Niedertracht konfrontiert wurde und wird. Das besonders Alarmierende dabei: Die Ohnmacht, mit der er um die Unterstützung von US-Konzernen wie Facebook und Google rittert und die hoffnungslos absurden Interpretationen der internationalen Rechtssysteme. "An die 800 Verschwörungsvideos über meine Familie und mich kursieren allein auf Youtube" sagt er. Und er gibt Tipps, die alle Online-User gut wahrnehmen sollten. Mein Tip: Lesen, unbedingt lesen!

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12.01.20:02
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Tag 12 - Affigkeit bei H & M

Manchmal wäre ich echt gerne Mäuschen in jenen Sitzungen von Werbeagenturen, wo solche Ideen wie die jüngste von H & M geboren werden. Auch deshalb, weil ich gerne wissen würde, wie die bewusst produzierte öffentliche Aufregung antizipiert und argumentiert wird. Denn ich glaube im dritten Jahrtausend längst nicht mehr daran, dass die Wirkung bestimmter Slogans oder Botschaften unterschätzt wird. Faktum ist,  dass der schwedische Konzern aktuell einen weltweiten Skandal zu verantworten hat. Der bei näherer Betrachtung einige Fragen aufwirft. Konkret geht es um das Bild aus der Kinderkollektion von H & M, in dem ein kleiner schwarzer Bub einen grünen Pullover trägt mit der Aufschrift: "Coolest Monkey in the Jungle". Das muss ich nicht übersetzen, die Idee ist klar, und noch klarer ist, dass es deswegen zu einem Aufschrei kam. In der nahezu überall geführten Diskussion folgten jedoch auch ebenso rasch die Abers. Selbstverständlich ist, dass es die meisten Menschen völlig daneben finden, ein solches Sujet zu produzieren, weil es aus ihrer Sicht eine ganz klar rassistische Diffamierung schwarzer Menschen ist (umso erstaunlicher finde ich daher die Entscheidung von H & M, so einen globalen Shitstorm zu riskieren, der im schlimmsten Fall existenbedrohend werden kann). Jedenfalls haben - wie wohl nicht anders zu erwarten gewesen war - zahlreiche prominente schwarze Menschen schon dagegen protestiert, der speziell bei der Jugend extrem beliebte Popstar "The Weeknd" hat sogar seine Zusammenarbeit mit H & M beendet. Dem gegenüber stehen sehr viele Kritiker, die an dem Bild nichts Rassistisches entdecken wollen. MIt dem altbekannten Hinweis darauf, Rassismus würde immer nur durch den Rassismusvorwurf selbst entstehen. Das Hauptargument lautet: Die Eltern des Buben hätten schließlich ihre Zustimmung zu dem Fotoshooting geben, weshalb davon ausgegangen werden darf, dass sie sich nicht im geringsten beleidigt fühlen dürften. Der Schluss daraus: Es stünde demnach niemand anderem zu, ein Problem mit etwas zu haben, womit nicht einmal die Betroffenen selbst ein Problem haben. Es würde sich also quasi um eine Stellvertreter-Empörung handeln. Auszug aus dem Standardrepertoire: Was wäre denn, wenn ein Weißer den Pullover tragen würde? Als wäre das so einfach. Als wäre Rassismus nicht über Jahrhunderte gelebt worden, und als könnte er daher mit dem Wohlbefinden eines einzelnen (Buben) locker und lässig außer Kraft gesetzt werden. Aus meiner Sicht ist es daher völlig irrelevant, ob der Bub und seine Familie der Kampagne von H & M ihren Sanktus gegeben haben. Es spielt auch nicht die geringste Rolle, welche Intentionen das Unternehmen hatte. Denn ohne jeden Zweifel fühlen sich auf der ganzen Welt sehr viele Schwarze beleidigt, diffamiert und missbraucht. Und diese Empfänger bestimmen, ob hier eine Grenze überschritten worden ist. Und nicht alle anderen (Weißen), die in ihrem immerwährendem Hochmut aus der Distanz bewerten wollen, ob der Tatbestand des Rassismus vorliegt. Wann werden wir das endlich lernen, dass nicht unser Urteil gefragt ist, sondern ausschließlich das Empfinden jener, die Tag für Tag mit solchen Übergriffen leben müssen? In diesem Fall fühlen sich dunkelhäutigen Menschen durch die Dschungelworte und die daraus resultierenden Assoziationen herabgewürdigt. Punkt. Aus. Es gibt keinen einzigen Grund, ihnen das ausreden zu wollen. H & M muss daher auch keine Verteidiger für seine Affigkeit suchen. Sondern sich statt dessen schleunigst eine geniale Entschuldigungskampagne ausdenken.

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11.01.19:41
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Tag 11 - Kickl ... wieder einmal

Österreichs Innenminister will also Flüchtlinge "konzentriert an einem Ort halten". Herbert Kickl, der FPÖ-Extremist, hat sich erstmals in seiner Funktion als Regierungsmitglied aus der Deckung gewagt. Und wie. Euronews sendete dazu diesen Beitrag. Ich verlinke ihn hier, damit er als Dokument auf meiner Seite nicht verloren geht. Für einen ausführlichen Kommentar, für die Textwerdung meiner zornigen Fassungslosigkeit, muss ich mich allerdings erst sammeln. meine Gedanken dazu werden aber spätestens am Wochenende erscheinen.

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10.01.20:33
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Tag 10 - Smalltalk mit Schöffen

Viele lang gediente Beobachter haben genau das vom ersten Prozesstag an behauptet: Der Anwalt von Karl Heinz Grasser wird bemüht sein, mit allen rechtlichen Möglichkeiten für Unruhe zu sorgen und mit zahllosen Störfeuern geordnete Abläufe zu verhindern. Ja, es ist auch legitim, den Versuch zu unternehmen, Verfahrensfehler - von der Anklageschrift bis zur Sitzordnung - zu erkennen, aufzuzeigen oder gar zu provozieren. Je mehr Nebel entsteht, so lautet die Strategie, desto schwieriger wird am Ende der Durchblick sein. Auch die Idee, die Richterin wegen Befangenheit (ihr Mann hatte Tweets gegen KHG abgesetzt) zu diskreditieren, fiel wohl in diese Kategorie der Verteidigung. Und das Geständnis von Peter Hochegger, wonach der ehemalige Finanzminister anlässlich des Verkaufs der Buwog-Immobilien tatsächlich Geld bekommen und genommen hätte, machte es für Manfred Ainedter nicht leichter, von dieser Taktik abzurücken. Die Frage ist nur, warum? Wovor fürchtet sich der supersaubere Grasser, dass sich ein alter Gerichtsfuchs zu solchen Maßnahmen veranlasst sieht und damit geradezu zwangsläufig den Verdacht der Korruption verschärft. Denn wo nix ist, muss auch kein Brimborium veranstaltet werden, möchte man meinen. Aber so leicht ist das mit der Judikatur auch wieder nicht. Denn sogar im Falle völliger Unschuld kann man sich ja nicht darauf verlassen, dass die bei artigem Benehmen auch gesehen wird. Im Gegenteil. Grasser hat als Gejagter ganz sicher einen Startnachteil, das lässt sich bei aller Neutralität schwer bezweifeln. Allerlei Ablenkungsmanöver scheinen daher das Gebot der Verteidiger-Stunde zu sein. Und Ainedter lässt offensichtlich nichts aus. Heute zum Beispiel begann der Verhandlungstag mit einer scharfen Rüge der Richterin Marion Hohenecker für Grassers Verteidiger. Der nämlich soll versucht haben, mit den Schöffen zu sprechen. Ja, tatsächlich, und ich bin echt erstaunt, dass solche Vorstöße nicht viel schärfer sanktioniert werden. Der Anwalt habe allen Ernstes die Laienrichter angesprochen und ihnen zu verstehen gegeben, dass man über ihr Privatleben recherchiert habe, kritisierte die Richterin. Die beiden Schöffen und zwei Ersatzschöffen gaben laut Richterin zum gestrigen Verhandlungstag zu Protokoll, dass Ainedter sie in einer Pause angesprochen habe. Und obwohl sie ein Gespräch mit ihm ablehnten mit dem Verweis darauf, dass das nicht erlaubt sei, habe Ainedter weiter mit ihnen reden wollen und ihre familiäre Freizeitgestaltung und berufliche Vergangenheit erwähnt. "Herr Doktor, Sie wissen aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass das nicht geht", sprach die Richterin. Und natürlich weiß der das. Er weiß aber eben auch, dass es für ein solches Vergehen nicht mehr als eben eine Rüge zu befürchten hat. In diesem Sinn antwortete Ainedter, es sei "nur Smalltalk" gewesen. Smalltalk mit jenen, die entscheidend in die Urteile zu einem der größten Korruptionsfälle der Zweiten Republik eingebunden sind? Das ist so unerträglich wie bezeichnend. Für Vertreter eines Systems, die auch am Randes des Abgrunds noch immer glauben, die Erde müsste sich vor ihrem Glanz wieder zutun? Umso erfreulicher ist es, dass die Schöffen nicht mit Verschüchterung reagierten, sondern mit Meldung. Mich würde ja wirklich interessieren, in welchem Ausmaß ein Selbstdarsteller wie Ainedter eine ganze Berufsgruppe in Misskredit bringt.

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09.01.16:40
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Tag 9 - Koreanischer Dialog

Es war echt ein Anblick, den man bestenfalls in einem schlechten Agentenfilm so erwarten würde. Aber diese Geschichte schreibt das Leben. Eine nordkoreanische und eine südkoreanische Delegation war nach Panmunjeom, einer demilitarisierten Zone zwischen den beiden Ländern, gereist, um versöhnliche Gespräche zu führen. Und da standen einander fünf Männer aus dem Norden und fünf Männer aus dem Süden gegenüber, nur ein Tisch trennte sie, schüttelten im Gleichtakt Hände, setzten sich wie auf Befehl und schauten, wie man eben schaut, wenn die Weltöffentlichkeit Zeuge ist. Zehn Mal die gleiche Miene, irgendwo zwischen grimmig und frohen Mutes. Es war wie eine Inszenierung, ein bisserl wie Kindertheater. So oder so brachten die Gespräche immerhin eine erste Annäherung zwischen den beiden verfeindeten Ländern (hilfreich war sicher, dass Trump nicht dabei war). Das Bemerkenswerte an diesem Dialog, dem offiziel ersten seit mehr als zwei Jahren. Es ist der Sport, der ihn möglich macht. denn Nordkorea würde tatsächlich gerne an den Olympischen Spielen in Pyeongchang im Februar teilnehmen und suchte deshalb die Offensive zum Nachbarn. Und siehe da, in einer gemeinsamen Drei-Punkte-Abschlusserklärung teilten die beiden Länder, sie wollten die "aktuellen militärischen Spannungen entschärfen". Auch sollten die hochrangigen Treffen fortgesetzt und der Austausch in verschiedenen Bereichen wiederbelebt werden. Wörtlich heißt es: "Süd- und Nordkorea respektieren frühere bilaterale Abkommen und einigten sich, alle Probleme in den Beziehungen durch Dialog und Verhandlungen zu lösen." Klingt zumindest auf diplomatischer Ebene durchaus nach einem Funken Hoffnung. Wegen des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm waren bekanntlich alle wichtigen Kommunikationsverbindungen zwischen den beiden Ländern gekappt worden. Nun aber wurde vereinbart, dass Nordkorea eine Delegation entsenden wird, zu der der Athleten, Fans, Künstler, Zuschauer und Journalisten gehören sollen. Südkorea verpflichtete sich in der gemeinsamen Erklärung, die "nötigen Annehmlichkeiten und Einrichtungen" zur Verfügung zu stellen. Beide Länder könnten beispielsweise bei der Eröffnungs- und Schlussfeier der Winterspiele gemeinsam marschieren, schlug Südkoreas Vizevereinigungsminister Chun Hae Sung vor. Schon erstaunlich: Das, was nach einer der größten selbstverständlichkeiten klingt, ist in Wahrheit ein fundamentales und historisches Aufeinanderzugehen. Das Internationale Olympische Komitee teilte mit, man begrüße die direkten Gespräche zwischen beiden Nationen: "Diese Vorschläge sind für den olympischen Geist ein großer Schritt nach vorn", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Ich hoffe ja immer, dass solche Ereignisse positive Dynamisierungen haben. Denn auch in vielen anderen Teilen der Welt gäbe es eine Menge Feindschaften, die mit viel weniger Aufwand als man glauben möchte zu neutralisieren wären. Es ist - wie im koreanischen Fall - vor allem eine Frage des Willens.

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08.01.21:08
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Tag 8 - Fischer entdeckt den Mut

Ich weiß, dass ich mich mit der Einschätzung des ehemaligen Bundespräsidenten nie beliebt gemacht habe. Aber ich bleibe dabei: Für mich verkörperte Heinz Fischer genau jenen Typus des Konfliktvermeiders, den ich als aktiven Mahner in der Hofburg nicht sehen will. Ich stelle ja gerne die Frage: An welche drei herausragenden Interventionen Fischers können Sie sich erinnern? Nach zwölf Amtsjahren wohlgemerkt. Die Antworten sind meistens keine. Denn auffällig wurde er selten bis nie. Die einen meinen, das sei das beste, was man über einen Bundespräsidenten sagen könne. Die anderen (wie ich) meinen, genau dieses Schattendasein mit gelegentlichem Diplomatie-Aktionismus sei das beste Argument für eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieses Repräsentativ-Jobs. Aber immerhin, Fischer hat u. a. bei Grissemann & Stermann mitgemacht, hat also Humor. Vielleicht reicht das, um zu einer Kultfigur zu werden. Mir jedenfalls nicht. Aber einerlei. Jetzt plötzlich, von den vermeintlichen Fesseln der Ausgewogenheit befreit, entdeckt Fischer das, was ich stets vermisst habe: Mut. In Kombination mit Meinung. Offensichtlich hat er genau daran Spaß, anders ist es kaum zu erklären, warum er permanent darauf verzichtet, endlich das Leben fern der politischen Bühne zu genießen und sich lieber von Medium zu Medium durchreichen lässt. Und so übt er nun als Hobby-Mahner scharfe Kritik an der neuen Bundesregierung. Die Installierung von Generalsekretären mit Weisungsrecht in den Ministerien bringe "Misstrauen gegenüber der Beamtenschaft zum Ausdruck und will hoch qualifizierte Mitarbeiter an die kurze Leine nehmen". Das könne er "nicht gutheißen", sagt er im Profil. Aha. Und weiter: Fischer verstehe auch die Sorge über den Zugriff, den die FPÖ nun auf Verfassungsschutzdaten, auf Nachrichtendienste, Melde-, Fremdenrecht-, Personenstands-und Polizeiregister habe. "Die FPÖ ist in der Vergangenheit mit dem Datenschutz nicht immer besonders sensibel umgegangen. Wenn sie über brisante geheime Daten verfügt, wurden solche in der politischen Auseinandersetzung auch verwendet." Ja, genau so ist es. Man erinnerte sich nur an den EKIS-Skandal. Auch zur Aussage des FPÖ-Rüpelrecken Johann Gudenus, man solle Flüchtlinge in Massenquartieren am Stadtrand unterbringen, um zu zeigen, dass es in Wien "doch nicht so gemütlich ist", äußerte sich der Alt-Präsident. Er empfindet eine solche Idee als "inhuman". Denn: "Wenn ein Politiker Menschen gegenüber argumentiert, als seien sie Menschen zweiter Klasse, dann müssen die Alarmglocken läuten". Das tun sie auch. Läuten. Sehr laut sogar. Allerdings nicht erst seit ein paar Wochen. Sondern schon seit sehr, sehr vielen Jahren. Nun könnte man meinen, ein Bundespräsident hätte alles das (Codewort politisches Alltagsgeschäft) nicht zu kommentieren. Zumindest hat es Fischer immer so praktiziert. Ich hingegen finde, es hätte gar nicht genug unüberhörbare Warnungen bedeutender Persönlichkeiten geben können. Jetzt ist es definitiv zu spät. Denn jetzt ist Heinz Fischer ein Privatmann wie Du und ich. Seine Einschätzung ist daher bestenfalls eine nette Show, aber kaum noch von Relevanz. Die betroffenen Staatsumbauer würden es wohl noch drastischer formulieren: Was HiFi denkt und sagt, kann uns wurscht sein, darf uns wurscht sein, wird uns wurscht sein. Und zwar völlig.

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07.01.20:18
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Tag 7 - Mannsbild, reloaded

Takt-Gefühle
(Woman-Kolumne, erschienen im Jänner 2014, Relevanzfaktor: zeitlos)

Es ist so weit. Die Zeitungen und Magazine sind voll mit den genauen Übersichten aller Bälle, die wir nicht versäumen dürfen. In den Klatschspalten wimmelt es vor Promis mit großen Orden, Promis mit tiefen Dekolletés und Promis mit aufgeregten Eröffnungskindern. Wir lesen Geschichten, wo die so genannten Top-Locations für rauschende Ball-Events sind, mit welchen Kleidern Frauen garantiert zu Königinnen der Nacht werden, und wo man des Morgens noch betrunken auf eine Käsekrainer hintaumeln kann. In der Fachsprache heißt das „Ballsaison“.
Und der Höhepunkt dieser Tradition ist der Opernball, dessen vorrangiger Zweck es zu sein scheint, Medien und Menschen mit der Frage zu beschäftigen, welche Damen in welchen Roben wunderbar aussahen. Oder, fast noch wichtiger: Welche nicht. Ehrlich: Ich saß einmal in einer großen Runde und war fassungslos über die Fähigkeiten zu minutenlangen emotionalen Eruptionen in Anbetracht eines No-Go-Fetzens in Loge 73.
Aber dazu will ich mich als Mann, der sich wegen eines nicht erfolgten Abseitspfiffs während einer ganz anderen Ballsaison in ein Zornbinkerl verwandeln kann, nicht näher äußern.
Ich wollte den Anlässen entsprechend nur mein Tanz-Trauma kolumnistisch bearbeiten. Das ist deshalb besonders schwierig, weil ich weiß, dass ich damit im Unterschied zu vielen anderen Themen nicht auf männliche Verweigerungssolidarität setzen kann. Heißt: Ich habe Freunde, die sich in Internetforen verlieren, um ein paar erotische Wiegeschritt-Geheimtricks für die Bronzeprüfung im Tanzclub „Letzter Tango“ zu recherchieren.
Die sogar beim alljährlichen Vollpfosten-Ball in Bad Bsuffendorf die Tanzfläche lediglich verlassen, um sich zwischenzeitlich an der Bar im Vier-Vierteln-Takt zu gefallen. Und die sich auch im Sommer nicht zu blöd sind, im Zuge ihres Cluburlaubs zu glauben, sie könnten mit einem lasziven Hüftschwung im Midlife-Crisis-Rhythmus Frauke aus Paderborn zu einer unvergesslichen Sandnummer unter Sternenhimmel animieren.
Das wäre auch nicht das geringste Problem, würden alle diese mehr oder weniger begnadeten Körper nicht versuchen wollen, mich permanent zu missionieren. Während Segelschiffmodellbastler oder Trockenfliegenfischer ihre Leidenschaft an mir vorbei leben, gehört es für den gemeinen Tanzbären offenbar zur Basisausstattung, immerzu tausend Argumente vorbringen zu müssen, warum ich unbedingt über ein Parkett schweben sollte. Und wehe, ich bringe zaghaft vor, dass ich mich als Wirbelwind, ob alleine oder in weiblicher Begleitung, nicht losgelöst, sondern lächerlich fühle - schon bin ich der fade Zipf. Ein Kopfmensch mit Angst vor Kontrollverlust (und daher automatisch auch im Bett ein Ritter von der traurigen Gestalt).
Einmal habe ich geschrieben, dass ich als Jugendlicher die Tanzschule schon nach drei Besuchen für immer verlassen habe. In der tiefen Überzeugung, dass Billard und Darts meine Persönlichkeit besser formen als Foxtrott und Cha Cha Cha. Ein anderes Mal habe ich geschrieben, dass ich lieber mit einem guten Glas Wein am Tisch eine lustige oder auch spannende Unterhaltung führe als mich zu „It's raining Men“ mit ekstatischen Verrenkungen zu profilieren. Und dann wiederum habe ich geschrieben, dass ich mir eher eine Stunde lang eine Doku über die Wurzeltypen von Nachtschattengewächsen ansehe als eine Minute „Dancing Stars“.
Und jedes Mal konnte ich darauf wetten, dass mir Goldkurs-Absolventen, Disco-Könige und Tanzschulbesitzer schriftlich versicherten, eine Nacht an ihrer Seite würde mein Leben verändern. Dabei gibt es natürlich zahlreiche Männer, die genauso denken wie ich. Dass nämlich der Begriff Walzerseligkeit ungefähr so viel Charme hat wie z. B. Warteschlangenglück. Aber von diesen leidenschaftlichen Nichttänzern trauen sich viele tatsächlich nicht, es ihren eigenen Frauen zu sagen. Statt dessen täuschen die Herren lieber gerne Knieschmerzen vor, wenn im Ballsaal „Damenwahl“ ertönt.
Aber: Auch das ist Taktgefühl … erlernt in der Distanzschule.
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Dankenswerterweise (für das Publikum und mich) muss ich auf der Bühne nicht tanzen. Wer mich trotzdem zu einem "Abend mit einem Mannsbild" besuchen will, im Februar geht's wieder los. Ich freue mich schon extrem darauf.
Die ersten Termine:
2. 2. Wien, Studio Akzent
4. 3. Wien, CasaNova
7. 3. Graz, Casino

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06.01.16:04
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Tag 6 - Einsparungen also

Allmählich finde ich es ja fast schon lustig, worüber wir alle derzeit in diesem Land diskutieren. Wäre es nicht so deprimierend. Aber man muss den schwarzblauen Selbstvermarktern eines zumindest lassen: Die Menschen mit Brimborium beschäftigen, das können sie (einmal abgesehen von der offenbar zur Meisterschaft ausgerufenen Dauerschleife vom harmonischen Miteinander und dem sofortigen gemeinsamen Anpacken). Man bedenke beispielsweise, wieviel hitzige Debatten es in den sozialen Netzwerken gibt wegen der Idee, das Tempolimit auf den Autobahnen auf 140 km/h anzuheben. Oder wegen jener, Radarboxen inaktiv werden zu lassen. Oder wegen jener, allenfalls berittene Polizei einzuführen. Kaum ein Tag vergeht, an dem die selbst ernannten Weltverbesserer Marke Hofer oder Kickl darauf verzichten, mit derlei bahnbrechenden Visionen vor das Volk treten. Wegen dieser vermeintlichen Innovationen mussten ÖVP und FPÖ unbedingt koalieren? Oder ist das eine Art Scheinpolitik, um einmal das erste Halbjahr mit den vielen Landtagswahlen einigermaßen ereignislos über die Bühne zu bekommen? Mir kommt das jedenfalls so vor, als würde ich ein Haus bauen und mich in erster Linie mit der Frage beschäftigen, welche Farbe der Duschvorhang haben soll. Aber so ist das eben, wenn man wie die blauen Stammtischrevoluzzer jahrelang nur simple Botschaften ins Land krakeelt, dann will man die Menschen natürlich nicht mit komplexen Sachverhalten (die man womöglich selbst nicht ausreichend begreift) überfordern. Lieber wird auf einer Klausur das große Sparprogramm präsentiert und somit den vielen Doofis, also uns, die Landumkrempelung verkauft. 14 Milliarden Euro wollte das Finanzgenie Kurz "konservativ gerechnet" einsparen. Bis dato hört sich das - abgesehen vom Segen der europäischen Hochkonjunktur - im Detail so an. Die geplante Indexierung der Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder (die freilich vor allem Minderverdiener wie Pflegekräfte trifft) zur dringenden Wahrung der sozialen Gerechtigkeit bringt dem Staat - so sie EU-rechtlich überhaupt hält - insgesamt rund 115 Millionen Euro. Dass sie jenen Eltern, deren Kinder in der Schweiz, in Norwegen, Schweden, Dänemark oder Luxemburg leben, sogar eine Erhöhung der Sozialhilfe bringt, ist nur ein putziger Zynismus am Rande. 115 Millionen! Man setze das einmal in Relation zu einer 600-Millionen-Euro-Transaktionssteuer (die es bis heute nicht gibt). Aber dann aschreien sie schon: Die Reform der Sozialversicherungen! Die werden nämlich von 21 auf 5 reduziert. Wogegen kaum jemand etwas haben dürfte. Es ist nur so: Die Einsparungen dafür werden von kühnen Optimisten auf maximal 400 Millionen Euro festgemacht. Und auch die wild umstrittene Einführung der Hartz-IV-Regelung (wie immer sie dann auf österreichisch heißen wird), bewegt sich als Lukrierungspotenzial in einem Minimalbereich. Woher sollen also die vielen, vielen Milliarden kommen. Ganz einfach: Sie kommen gar nicht. Wetten? Bzw.: Na und? Machtübernahme war der Plan, kaum mehr, kaum weniger. Gewählt ist gewählt. Nur jene, die immer noch glauben, dass der Slogan "Es ist Zeit" tatsächlich jemals mehr gewesen ist als Bauernfängerei zur siegerichen Gestaltung einer Neuwahl, sollten sich in Anbetracht der völligen Leuchtturmarmut dieser Regierung zumindest gelegentlich die Frage stellen, was Kurz & Strache für dieses Land ernsthaft bewegen können. Und vor allem wollen. Ich bin sicher, es ist bei ehrlicher Betrachtung eine bittere Erkenntnis.

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05.01.23:14
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Tag 5 - Das Zurückrudern

Derzeit werden ja sämtlich neue Regierungsmitglieder quasi fließbandmäßig gestaffelt durch die Medien geschleift, damit wir uns alle davon überzeugen können, was sie alles (nicht) zu sagen haben. Wer beispielsweise Josef Moser, den neuen Justizminister, in der ZiB2 gesehen und anlässlich der Regierungsklausur vor allem gehört hat, was der Mann vor sich hin gefaselt hat, muss sich wirklich wundern. Mein Tweet dazu: "Schon sehr erstaunlich, wie jemand wie Josef Moser, der immer für seinen politischen Detail-Furor bekannt war, in kürzester Zeit das Reiten auf der Schwurbelwelle perfektioniert hat." Ganz anders hat sich da die frisch gekürte Sozialministerin präsentiert. Ihr Name: Beate Hartinger-Klein. Die nämlich schien zumindest bei ihrem Erstantritt im TV-Studio noch entschlossen und ... was noch viel bemerkenswerter ist ... überraschend selbstbestimmt. Wer hätte ihr schon den Mut zugetraut, als Gesundheitsministerin laut zu sagen, dass sie die Rücknahme des Rauchverbots nicht befürwortet hat, sich aber beugen musste. So viel Autonomieversuche liegen letztendlich aber nur an der fehlenden Erfahrung, denn es sollte sich ziemlich rasch herausstellen, dass so ein forsches Nein bzw. eine Ansage, die nicht auf siebzehn verschiedene Arten interpretiert werden kann, eher nicht das Zeug zum Koalitionsknüller hat. Es ergab sich jedenfalls im Gespräch mit der Moderatorin folgender Dialog anlässlich der Regierungspläne, ob länger währender Arbeitslosigkeit als Staat allenfalls auch auf persönliches Eigentum von Menschen in der Mindestsicherung zugreifen zu dürfen (was im Falle der Erbschaftssteuer von den selben Parteien gerne als Enteignung abgelehnt wird).
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Es gibt kein Hartz-IV-Modell. Aber wann wird jemand damit rechnen müssen, dass er zum Beispiel sein Auto verkauft?"
Beate Hartinger-Klein: "Das wird es nicht geben."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Überhaupt nicht? Gar nicht?"
Beate Hartinger-Klein: "Das gibt es nicht. Nein."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Es wird ..."
Beate Hartinger-Klein: "Nein."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "... keinen Zugriff auf Vermögen geben."
Beate Hartinger-Klein: "Nein."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Niemals."
Beate Hartinger-Klein: "Nein."
So schaut's also aus. So restriktiv argumentierte die zuständige Ministerin. Es ist nur so: Solche persönlichen Betrachtungen kann sie sich in Zukunft sparen. Oder sie muss sich vorher den Sanktus von Super-Sebastian und ihrem FPÖ-Rudelführer holen. Denn schon am nächsten Tag geschah das große Zurückrudern. Nach einer Zurechtweisung durch den Kanzler nahm Hartinger-Klein ihre Ansage, wonach Langzeitarbeitslose entgegen dem Regierungsprogramm nicht in die Mindestsicherung fallen würden, artig und brav wieder zurück. Wäre ja noch schöner, wenn plötzlich wo sozial drin ist, wo sozial drauf steht. Statt dessen sagte sie im Kurier: "Der Bundeskanzler hat natürlich recht". Natürlich. Und wir dürfen uns schon ein bisserl an die FPÖ-ExpertInnen aus Schwarz-Blau I und II erinnern. Denn die nächsten Kompetenz-Kasperliaden kommen bestimmt. Und es bleibt die Frage: Gage hin oder her - warum tun sich Menschen solche Ämter und solche Demütigungen immer wieder an?

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04.01.19:49
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Tag 4 - M & M in Siegerlaune

Gute Zeiten für einen Ski-Beobachter wie ich einer bin. Ich schaue ja fast grundsätzlich keine Abfahrten oder Super G's mehr an - wegen akuter Ödheitsgefahr. Aber ich sehe gerne die zweiten Durchgänge von Riesentorläufen und Slaloms. Das allerdings nur, wenn ich die Gewissheit habe, dass Mikaela Shiffrin oder Marcel Hirscher eine große Chance auf den Sieg haben (was meistens der Fall ist). Denn diese beiden entsprechen genau jenem Typus von Skiathleten, die ich aufgrund ihrer überragenden - technischen, intuitiven und mentalen - Fähigkeiten extrem schätze. Und denen ich jeden erdenklichen Rekordbruch von Herzen gönne. Ich weiß, ich habe das schon gelegentlich an dieser Stelle dokumentiert, aber ich mag nun einmal das Außergewöhnliche. Und so freue ich mich berichten zu können, dass in Zagreb gestern Frau Shiffrin nicht nur einfach gewonnen hat. Oh nein, die Amerikanerin hat wieder einmal eine höchst gepflegte Konkurrentinnen-Zertrümmerung vorgenommen - Vorsprung 1,59 Sekunden. Sagenhaft, was sie auch unter schwierigsten Bedingungen leisten kann. Im ersten Lauf war es Wind, der den Läuferinnen zu schaffen machte, im zweiten Lauf kamen Regen und Schneefall dazu. Unfair war es jedoch nie. Und so fasste es Shiffrin zusammen: "Es war schon sehr wellig, daher war es schwierig. Aber es war gut genug, um schnell zu sein." Solche Analysen mag ich. Für die beste Skifahrerin der Gegenwart, 22 Jahre alt (!), war es der 38. Weltcupsieg, und der 28. im Slalom. Nach 16 Rennen in dieser Saison führt Shiffrin mit 1.081 Punkten vor der Deutschen Viktoria Rebensburg, die nicht einmal halb so viele Punkte hat (510). Shiffrin dazu: "Ich muss sagen, ich bin in einer ziemlich guten Form momentan." Yes, so kann man das formulieren, wenn man in den vergangenen 24 Weltcup-Slaloms 23 Mal auf dem Podest stand und 19 Mal gewann. Für Shiffrin war es der dritte Sieg in Zagbreb. Für Marcel Hirscher war es bereits der vierte ebendort. Und der 50 insgesamt in seiner Karriere. Womit er mit dem großen Alberto Tomba gleichgezogen hat und Österreichs Nummer 1, Hermann Maier (54 Siege), im Visier hat. Besonders imponierend war diesmal vor allem, wie Hirscher nach einem echten Fehlstart in den zweiten Durchgang ruhig blieb und während der Fahrt den Angriffsturbo zündete. Er selbst nannte seine Fahrt im oberen Teil später "not the yellow from the egg" und bewies im Interview auch sonst, warum er so viel mehr als so viele andere das Zeug zum Champion hat. Charisma heißt das Zauberwort. Hirscher ist eloquent, schlagfertig und vor allem fair. In der vergangenen Saison verlor er viele Rennen ganz knapp, heuer hat sich das zu seinen Gunsten gedreht. Und genau auf diesen Faktor Glück verweist er im Augenblick des Triumphs immer wieder mit Nachdruck. So kann es aus meiner Sicht mit M & M (Mikaela & Marcel) weitergehen. Bis zu den Olympischen Spielen. Wo ein sportliches Lebensprinzip von mir Gültigkeit hat: Ich brauche keine Überraschungen. Ich fordere immer (gerechtes) Gold für die Besten.

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Vier Jahre lang habe ich für das Ma ...
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"Du machst mich wahnsinnig" war früher einmal ganz anders gemeint
Live auf der Bühne: Das Kolumnisten ...
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Paaradox in Eisenstadt

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4. März 2018, 19 Uhr

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7. März 2018, 19.30 Uhr

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25. April 2018, 19.30 Uhr

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