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20.04.23:07
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Tag 110 - Russland pfeift auf Österreich

Das Theater hatte schon vor einigen Wochen begonnen, als Österreich in Anbetracht der Giftgas-Affäre im Fall Skripal darauf verzichtet hatte, mit der EU solidarisch zu sein und diplomatische Sanktionen gegen Russland zu setzen. Der Verdacht: Mit der FPÖ an Bord, die sich Putin ja sogar vertraglich gesichert unterwürfig angedient hatte, sei eine Konfrontation nicht denkbar. Nur, so lässt sich das eher nicht verkaufen. Also entschloss sich die Regierung wieder einmal zum guten alten Neutralitätsschmäh. Nur ja keine Farbe bekennen, war die Devise (obwohl es bekanntlich nie um militärisches Eingreifen ging). Viel lieber wollte der g'schmeidige Kanzler Kurz "ein Brückenbauer zwischen Westen und Osten" sein. Sieht natürlich viel besser aus, sich das Mäntelchen der Souveränität und Ausgewogenheit umzuhängen. Statt ein klares Bekenntnis zu liefern. Und prompt setzte sich Außenministerin Karin Kneissl ins ZiB2-Studio, um dort zu bekunden, dass sich Österreich als Vermittler sehen wolle, und dass man darauf warten würde, gefragt zu werden, diese Rolle zu übernehmen. Es war dann nur wochenlang so: Es fragte niemand. In dieser Causa nicht, und bezüglich der Syrien-Krise erst recht nicht. Was freilich klar war, denn die internationale Bedeutung Österreichs wird nicht einen Deut größer, nur weil die rotweißroten Protagonisten täglich so tut, als würden sie zu den global playern zählen. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt Respekt, und aus. Der Rest fällt eher in die Kategorie Wurschtigkeit. Völlig egal, wer das Land gerade regiert. Aber wir wissen natürlich genau, wie sehr sich die schwarzblauen Selbstdarsteller gewünscht hätten, sich auf der großen Bühne medienwirksam zwischen die USA und Russland zwängen zu dürfen. Im Idealfall sogar in Wien ... das wären Fotos wie aus dem Lehrbuch für Kanzlerdarstellung gewesen. Und die Menschen hätten sich wieder einmal denken dürfen: Hach! Unser Basti! Aber leider meldeten sich die Ignoranten aus den Großmächte-Büros nicht, weshalb die Strategie geändert wurde. Die Idee: Bieten wir uns doch selbst an, obwohl wir das vor einigen Wochen noch zu einem No-Go erklärt haben. Hauptsache, wir kommen irgendwie zu unserer PR, die so viel wichtiger ist als die Mühen der innenpolitischen Ebenen. Blöd nur, dass es zwar einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Passivität und Aktivität gibt, das aber am Ergebnis nicht das geringste änderte. Österreichs Außenministerin war mit der dezidierten Ansage einer Vermittlungsmission nach Moskau gereist und musste trotz der wunderbaren Vision vom Gipfel in Wien (Kurz: "Es geht um vertrauensbildende Schritte hin zu einer Deeskalationrasch") erkennen: Null Interesse. Russlands Kollege Lawrow betonte zwar artig, dass die bilateralen Beziehungen gut seien, und dass er sich mit dem Bundeskanzler eh fein verstehen würde, aber ganz ehrlich: Man brauche keinerlei Vermittlertätigkeiten zwischen Moskau und anderen im Syrien-Konflikt. Originalzitat: "Ich sehe keinen Spielraum, zwischen dem Westen und Russland zu vermitteln. In Syrien braucht man vielmehr einen direkten Dialog zwischen den Konfliktparteien." Daher soll US-Präsident Donald Trump auch seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in die Vereinigten Staaten von Amerika eingeladen haben, um im Syrien-Konflikt gemeinsame Wege zur Wende zu erläutern. Und das - man staune - sogar ganz ohne österreichisches Zutun.

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19.04.21:29
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Tag 109 - Koreanische Friedensträume

Ich habe keine Ahnung, ob es anderen auch so geht. Aber ich empfinde manchmal das Lesen erfreulicher Nachrichten so dermaßen wohltuend, dass es mir selbst unheimlich wird. Was vor allem beweist, in welchem erschreckenden Ausmaß wir uns an das Üble und Böse gewöhnt haben. Aber die aktuellen Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel sind tatsächlich außergewöhnlich und geben enorm viel Anlass zum Optimismus. Die Serie an positiven Signalen setzt sich jedenfalls munter fort. Jetzt hieß es aus Seoul, der kommunistische Norden habe in Vorverhandlungen zum Gipfel in der kommenden Woche angekündigt, sich einer Denuklearisierung der Region nicht in den Weg stellen zu wollen. Wer hätte das vor wenigen Wochen und Monaten, als sich der Dikator und der US-Präsident Bubendrohungen am laufenden Band ausgerichtet hatten, gedacht? Aber Südkoreas Präsident Moon Jae-in sagte im Rahmen einer Pressekonferenz, Pjöngjang hätte ihm gegenüber die "vollständige Denuklearisierung" der Halbinsel in Aussicht gestellt. Mit dieser Formel ist gemeint, dass nicht nur Nordkorea alle Autowaffen abbaut, sondern dass auch der nukleare Schutzschirm der USA für den Süden entfernt wird. Das wirkt beim Lesen wie ein kleines Wunder der internationalen Politik. Offiziell haben die USA zwar derzeit keine Nuklearwaffen in Südkorea stationiert, allerdings hatten Washington und Seoul während der Krise 2017 laut über deren Aufstellung nachgedacht. Die nordkoreanische Regierung verdächtigt beide, dies schon längst getan zu haben. Und jetzt diese Wende. Moon sagte nämlich auch, dass Nordkorea "keine für die USA unerfüllbaren" Bedingungen an einen Deal zur Denuklearisierung knüpfen wolle. So werde Machthaber Kim Jong-un auch akzeptieren, dass weiter US-Soldaten in Südkorea bleiben. Das sind schon ungewöhnliche Töne, und auch der Hinweis darauf, dass sich Kim in wenigen Tagen mit Moon treffen würde, sorgt für globales Erstaunen. Denn an ein solches Gespräch auf der südkoreanischen Seite der demilitarisierten Zone werden klarerweise große Hoffnungen geknüpft. In Südkorea hält man es sogar für deutlich wichtiger als das später geplante Treffen Kims mit US-Präsident Donald Trump, das seit vielen Tagen von den Medien zum Jahrhundert-Ereignis hochstilisiert wird. Die Regierung in Seoul will bei der Zusammenkunft jedenfalls eine Basisvereinbarung schaffen, die es dann dem US-Präsidenten erlaubt, mit Kim zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Im Vorfeld wurde spekuliert, Südkorea könnte darauf hinarbeiten, den seit 1953 geltenden Waffenstillstand durch ein Friedensabkommen zu ersetzen. Dafür müssten jedoch die USA Nordkorea anerkennen, was ein strategisches Ziel Pjöngjangs ist. Und damit bin ich doch noch an jenem Punkt angelangt, der in Anberacht dieser Thematik unvermeidlich scheint: Bei der Skepsis. Denn klar ist, dass die liberale Regierung Moons ist im Vorfeld eines Treffens bemüht ist, durch gute Nachrichten eine positive Atmosphäre zu schaffen. Klar ist aber auch, dass Kim Jong-un mit seinen Initiativen strategische Ziele verfolgt. An die simple Idee von Weiterentwicklung und Friedenssehnsucht zu glauben, trägt schon ein bisserl den Keim der Naivität in sich. Denn ein Mann, der vor kurzem noch als Säbelrassler und Kriegstreiber in den Schlagzeilen auftauchte, ist als spontaner Friedensengel kaum glaubwürdig. Und so freue ich mich zwar beim Lesen der erfreulichen Nachrichten, aber ich denke mir gleichzeitig ständig: Verdammt, wo ist der Haken?

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18.04.19:06
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Tag 108 - Kinder spielen Krieg

Es ist so grausig, und zwar aus so vielen unterschiedlichen Gründen. Aber es muss darüber berichtet werden. Die erschreckende Affäre um die Kriegsspiele in einer Wiener Atib-Moschee weitet sich leider so aus, dass ein Wegsehen fahrlässig wäre. Denn der Falter veröffentlichte in der aktuellen Ausgabe Fotos, welche belegen sollen, dass nicht nur heuer, sondern bereits im Jahr 2016 Schlachten mit Kindern nachgestellt wurden. Es ist so beklemmend, auf diese Art und Weise dokumentiert zu bekommen, welcher radikale und entschlossene Geist mitten in unserer Stadt weht, dass es in der Tat schwer fällt, Relativierung vorzunehmen. Die neuen Bilder zeigen Kinder, die tote Soldaten spielen (müssen), und die mit türkischen Fahnen zugedeckt werden. Die Fotos stammen aus einer der größten Moscheen Wiens des zur türkischen Religionsbehörde gehörenden Vereins Atib, der in Wien auch Kindergärten betreibt. Man mag es kaum glauben, aber Faktum ist: Die Kinder mussten allen Ernstes die Schlacht von Gallipoli aus dem Jahr 1915 nachstellen, ein Gemetzel, das die Türken im Ersten Weltkrieg gewonnen hatten. Und das ist im Bewusstsein dessen, wofür Atib steht, schon in mehr als besorgniserregend. Denn hier handelt es sich nicht um eine fragwürdige Abart des Kriegspielens, sondern definitiv um Erziehung im Sinne der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa, die als direkter Ableger des türkischen Amts für Religion gilt und die umstrittene Linie der türkischen Regierung verfolgt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) distanzierte sich freilich offiziell von dem Spektakel. Personelle Konsequenzen gab es bis dato allerdings auch nicht. Zumal, und das ist schon bedenklich, der Präsident der Glaubensgemeinde, Ibrahim Olgun, selbst Vertreter der Atib ist. Und als wäre derlei Aktionismus zu Ehren des Heldentods für ein Regime nicht schon jenseitig genug, spielen genau solche Ereignisse den One-Trick-Ponys der Regierung natürlich in die Hände. Differenzierung war so oder so nie gewünscht, jetzt haben die Hardliner einen Bewes mehr für ihre programmatische Idee, die seit Monaten kaum etwas anderes ist als das Hinweisen auf das unheimliche Fremde und das konsequente Verfolgen einer Ausgrenzungslinie. Kinder, die sich tot stellen und mit türkischen Fahnen symbolisch verhüllen lassen lassen müssen, sind für Populisten klarerweise ein Fressen. Und es fällt schwer, ihnen das zu verübeln, Zuspitzung hin oder her. Die Regierungsspitze übte also verlässlich und augenblicklich heftige Kritik am Moscheeverein. Das im Bundeskanzleramt angesiedelte Kultusamt überprüft die Vorfälle bereits auf Verstöße gegen das Islamgesetz. Sogar die Schließung der Moschee oder auch die Auflösung des Vereins Atib stehen im Raum ... und das zu Recht. Denn Sebastian Kurz ist selbstverständlich nicht zu wiedersprechen, wenn er sagt: "Das hat in Österreich keinen Platz. Hier wird es null Toleranz geben." Bei Vizekanzler Heinz-Christian Strache indessen fällt es schon schwerer, dessen Anklage ("völlig untragbare Vorfälle") abzunicken. Denn wie glaubwürdig will einer sein, der solche Inszenierungen verachtet, als Jugendlicher aber selbst bewaffnet und im Tarnanzug durch die Wälder getobt ist, um Krieg zu spielen? Gar nicht, wie so oft, wenn er spricht. Und natürlich darf in so einem Fall auch der Chef-Scharfmacher nicht fehlen. Folglich nützte Innenminister Herbert Kickl die Gelegenheit (fast schon dankbar), um lautstark zu proklamieren: Er hoffe, dass nun "so mancher Integrationsfantast aufwacht". Als wäre gelungene Integration grundsätzlich eine Utopie (so viel Perfidie ist schon bemerkenswert), und als würde irgendjemand solche bekannten Probleme des politischen Islam schönreden wollen. Ganz egal: Hier wird vom Kleinen auf das Große geschlossen und bewusst die Atmosphäre zusätzlich aufgeheizt. Statt im Sinne staatsmännischer Verantwortung, wie sie ein Minister leben sollte, seriöse Entschlossenheit und sachliche Bewertung zu offenbaren. Aber wie geschrieben: Es ist so grausig, und zwar aus so vielen unterschiedlichen Gründen.

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17.04.16:44
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Tag 107 - Wie geht's Mimi?

Etwa fünf Wochen sind seit meinem letzten Eintrag vergangen. Daher ist es - wie gewünscht - wieder einmal Zeit für ein kleines Hunde-Bulletin. Nun, es ist so: Mimi offenbart uns nachwievor so viel Lebensfreude, dass wir immer wieder mit Frohsinn darüber sprechen, auch mit ihr. Wir bedanken uns bei ihr, streicheln und ermuntern sie, ihre Kräfte zu bündeln. Und genau das tut sie, obwohl es ihr in manchen Situationen zunehmend schwerer fällt. Denn zu dem Umstand ihrer Krankheit kommt ja auch noch jener ihres Alters. Sie ist eben schon eine gesetzte Lady, die ihre Leichtigkeit verloren hat. Vor allem die Hinterbeine tragen sie nicht so, wie wir alle es gerne hätten. Gerade in den Morgenstunden, nachdem sie lange geschlafen hat, muss sie sich besonders anstrengen, um auf die Beine zu kommen. Und gelegentlich knickt sie auch ein bisserl ein, vor allem dann, wenn sie der Übermut packt. Heißt: Kaum entdeckt sie im Garten beispielsweise eine Krähe, erwachen ihre Jagdtriebe,  und sie signalisiert allergrößte Bereitschaft, ihr Revier zu verteidigen. Dann bellt sie (wenn auch nicht mehr so voluminös wie einst) und deutet eine Offensive an. Das ist immer wieder ein tragikomischer Anblick. Denn zum einen ist es so schön zu erfassen, welche Vitalität sie im Geiste begleitet, zum anderen ist der eingeschränkte Aktionsradius natürlich unübersehbar. Ich gestehe, dass ich gelegentlich sehr zur Sentimentalität neige. Ich beobachte unsere Mimi, wenn sie - vor allem bei hohen Temperaturen - nur sehr langsam und uninspiriert ihre Gassi-Runden dreht, und dann lasse ich vor meinem Auge Bilder aus der Vergangenheit tanzen. Als sie durch die Wälder sprintete, über Hindernisse sprang und gar nicht genug kriegen konnte von Bewegung und Action. Heute ist sie müde und tellt sich ihre Energien gut ein. Von ausgedehnten Spaziergängen ist keine Rede mehr. Und dennoch haben wir das Gefühl, dass sie ihr Dasein genießt. Das Leben ist ein Wandel, und die Art, es wahrzunehmen, hat eine völlig andere Qualität. Und so lange ich bei der Tür hereinkomme, und dieses bezaubernde Wesen auf mich zukommt, wedelt, den Kopf zwischen meine Beine steckt und das Begrüßen und Kraulen als Liebesbeweis einfordert, weiß ich: Alles ist gut. Mimi hat noch immer Appetit, wuchtet sich bei jedem Rascheln empor, um das Küchenreich zu erobern, schläft tief und gut, atmet gleichmäßig und hält den Gassi-Rhythmus störungsfrei aufrecht. Wir denken uns stets: Sie lebt jetzt eben als alte Dame bei uns, mit adäquaten Bedürfnissen, aber glücklich. Das kann morgen enden, aber vielleicht auch erst im Sommer oder Herbst ... wir wissen es nicht, das bestimmt sie selbst. Aber der 28. Dezember wird immer unvergesslich bleiben. Damals haben wir ihr Ende vor dem Jahreswechsel für unvermeidbar gehalten. Sie hat uns eien lektion des Willens erteilt. Vier Monate später kuschelt Mimi noch immer mit uns. Das bleibt für die ganze Familie ein Geschenk des Schicksals, dessen Wert nicht in Worten zu messen ist.

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Danke, dass Sie uns jetzt so regelmäßig über Mimis Leben informieren! Ich denke unbekannterweise oft an sie, was sicher auf Ihre lebendige und mitreißende Schilderung zurückzuführen ist. Schön, dass sie diesen unbeschreiblich schönen Frühling miterleben kann!
Jutta Korosec 22.04.2018, 07:21
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16.04.15:58
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Tag 106 - Conchitas Wahrheit

Das war dann schon ein ziemlicher Effekt. Und es waren bewegende Worte von Conchita Wurst, die völlig unerwartet den Mut fand, ihre Wahrheit öffentlich kundzutun. Der Original-Wortlaut von Instagram, wo der Künstlerin und Song-Contest-Gewinnerin mehr als 300.00 Menschen folgen, den sie also nicht heimlich und still, sondern bewusst offensiv angelegt hat :
heute ist der tag gekommen, mich für den rest meines lebens von einem damoklesschwert zu befreien: ich bin seit vielen jahren hiv-positiv. das ist für die öffentlichkeit eigentlich irrelevant, aber ein ex-freund droht mir, mit dieser privaten information an die öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in zukunft niemandem das recht, mir angst zu machen und mein leben derart zu beeinflussen. seit ich die diagnose erhalten habe, bin ich in medizinischer behandlung, und seit vielen jahren unterbrechungsfrei unter der nachweisgrenze, damit also nicht in der lage, den virus weiter zu geben. ich wollte aus mehreren gründen bisher nicht damit an die öffentlichkeit gehen, nur zwei davon will ich hier nennen: der wichtigste war mir meine familie, die seit dem ersten tag bescheid weiss und mich bedingungslos unterstützt hat. ihnen hätte ich die aufmerksamkeit für den hiv-status ihres sohnes, enkels und bruders gerne erspart. genauso wissen meine freunde seit geraumer zeit bescheid und gehen in einer unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem betroffenen wünschen würde. zweitens ist es eine information, die meiner meinung nach hauptsächlich für diejenigen menschen von relevanz ist, mit denen sexueller kontakt infrage kommt. coming out ist besser als von dritten geoutet zu werden. ich hoffe, mut zu machen und einen weiteren schritt zu setzen gegen die stigmatisierung von menschen, die sich durch ihr eigenes verhalten oder aber unverschuldet mit hiv infiziert haben. an meine fans: die information über meinen hiv-status mag neu für euch sein – mein status ist es nicht! es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je. danke für eure unterstützung!
Das bemerkenswerte daran ist unter anderem, dass Tom Neuwirth zwar klar sagt, dass er offensichtlich unter Erpressungseinfluss gestanden ist, jedoch jenen Mann, der ihm mit der Veröffentlichung gedroht hatte, trotzdem nicht namentlich erwähnt. Wiewohl derlei Bedrohung sogar strafrechtlich relevant ist. Das offenbart schon eine erstaunliche Größe, denn man kann ungefähr erahnen, wie groß der Leidensdruck gewesen sein muss, um diesen Schritt zu gehen. Sich in so einer Situation nicht von Zorngefühlen leiten zu klassen, verdient Respekt. Wohl wissend, dass jetzt erst recht jene schwulenfeindlichen Geistesriesen aus ihren Löchern kommen, die keine Gelegenheit auslassen, Conchita Wurst in den vielen Foren des Landes ihre Ressentiments auf übelste Art und Weise auszurichten. Conchita hat den Weg der Ehrlichkeit gewählt, womit sie möglicherweise auch vielen anderen Mut macht und allenfalls Menschen dazu bewegt, sich ebenfalls testen zu lassen. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass gerade sie - eine verlässliche Botschafterin des Life Balls - mit hoher Wahrscheinlichkeit nur deshalb in diese Situation geriet, weil sie jenen Schutz, der seit so vielen Jahren als absolute Notwendigkeit im Kampf gegen das Virus propagiert wird, nicht für sich in Anspruch nahm. Auch diese Erkenntnis muss ihre Berechtigung haben. Das beruhigende und ermunternde ist allerdings: Eine Persönlichkeit wie Conchita Wurst weiß das ganz genau. Und sie wird entsprechend vorbildlich damit umgehen.
 

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15.04.17:04
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Tag 105 - Später Widerstand

Ich begreife es ehrlich gesagt nicht wirklich. Die größten Signale des Widerstands gegen (extrem) rechte und rechtskonservative Regierungen finden mit deprimierender Verlässlichkeit erst dann in beeindruckendem Ausmaß statt, wenn es zu spät ist (ich hoffe, dass wir diese Erkenntnis nicht auch dereinst im eigenen Land formulieren müssen). In Polen jedenfalls gingen Hundertausende Jugendliche erst dann auf die Straße, als sich die frisch gewählte Hardliner-Partei PiS längst daran machte, das Land auf bedrohliche Art umzubauen. Zuvor waren nicht einmal die Hälfte aller Menschen überhaupt wählen gegangen und hatten somit einer dramatischen Übernahme Tür und Tor geöffnet. In Ungarn formiert sich jetzt, wenige Tage nach dem überwältigenden Votum für Vikor Orbán, plötzlich massiver Protest. Zuvor war es leider nicht gelungen, auf die vielen fragwürdigen Initiativen des Ministerpräsidenten mit alarmierendem Nachdruck hinzuweisen und damit zumindest das eine oder andere Umdenken zu bewirken bzw. die eine oder andere Einschränkung möglich zu machen. Aber jetzt: Mehrere zehntausend Menschen haben in Budapest gegen den Abbau von Rechtsstaat und Demokratie demonstriert. Unter dem etwas sonderbaren Motto "Wir sind die Mehrheit" verlangten die Teilnehmer eine Neuauszählung der Stimmen bei der Parlamentswahl, eine Änderung des Wahlrechts und die Sicherung der Pressefreiheit. Zu der Kundgebung hatten parteiunabhängige Aktivisten aufgerufen, die speziell das höchst zweifelhafte Wahlrecht im Visier haben. Denn vor einer Woche hatte die rechtsnationale Fidesz-Partei von Viktor Orbán 49,9 Prozent der Stimmen erhalten. Das ungarische Wahlrecht begünstigt jedoch die stimmstärkste Kraft unverhältnismäßig, sodass Fidesz 134 von 199 Parlamentsmandaten errang. Klar, dass die Menschen (immerhin steht sogar der Vorwurf von Wahlmanipulation im Raum) empört riefen: "Viktator! Viktator!" Wissend, dass mit dieser Zweidrittelmehrheit Orbán imstande ist, die Verfassung zu ändern. Das Wahlergebnis hat offenbar vor allem junge Menschen in Ungarn schockiert und mobilisiert, man fragt sich dennoch verwundert: Bitte was genau hatten die erwartet? "Wir wollen in einer echten Demokratie leben", riefen die Menschen. Und sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann, wenn der Widerstand zu lange zu leise bleibt. Orbán regiert Ungarn seit 2010, fährt einen nationalistischen und einwanderungsfeindlichen Kurs, und sämtliche Kritiker werfen ihm vor, mit Eingriffen in das Justizsystem sowie der Beschneidung von Presse- und Meinungsfreiheit rechtsstaatliche Grundsätze auszuhebeln. Sogar in einem EU-Bericht war zuletzt die Rede von einer "systemischen Bedrohung von Demokratie". Wir sollten diese Entwicklung genau beobachten. Sehr, sehr genau.

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14.04.22:29
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Tag 104 - Stegers Angriff

Es ist immer wieder das gleiche Muster, und es zeigt vorzüglich, wie das PR-Verständnis der FPÖ aussieht, und welchen Gestalten die ÖVP derzeit den Staat ausliefert. Dass man sich positive Berichterstattung vor allem vom ORF wünscht, ist klar, das galt und gilt auch für alle anderen Parteien. Heikel wird es erst, wenn diese erzwungen werden soll. Und danach sieht es derzeit aus. Das ist mindestens so empörend wie die plötzliche Überraschung jener, die derlei nicht erwartet haben wollen. Meine Güte, als gäbe es in Europa nicht genug Beispiel für Druck auf Medien. Und zwar nicht hinter den Kulissen, sondern als öffentliche Drohgebärde. Daher in aller Deutlichkeit: Eine so direkte und unverhohlene Bedrohung von ORF-JournalistInnen mit dem Verlust des Arbeitsplatzes durch einen ORF-Stiftungsrat hat es noch nie zuvor gegeben. Der Partei-Stiftungsrat der FPÖ, Norbert Steger, will allen Ernstes Korrespondenten des ORF abschaffen, wenn sie aus seiner Sicht nicht genehme Berichte aus dem Ausland liefern. Und er sagt das auch laut, was beweist, wie niedrig die Hemmschwellen zur Propagandalust geworden sind. In den Salzburger Nachrichten kündigt Steger an: „Von den Auslandskorrespondenten werden wir ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten“. Als Beispiel nennt er die Berichterstattung zur Ungarn-Wahl, diese sei „einseitig“ abgelaufen. Außerdem fordert Steger die Entlassung von Redakteuren, wenn sie gegen eine angekündigte Social Media-Richtlinie verstoßen. Jetzt einmal völlig abgesehen, dass es ihm per Funktion gar nicht zusteht, in Personalia einzugreifen, aber wie der designierte Aufsichtsratvorsitzende hier sein Auffassung von Pressefreiheit definiert, ist tatsächlich gruselig. Prompt wurde das alte Video, in dem der so oft fälschlicherweise als liberal gehandelte Steger einem Reporter das Mikrofon aus der Hand reißt, durch die sozialen Netzwerke gereicht - zur Bestätigung dessen, wozu er und die Seinen im Bedarfsfall fähig sein können und sind. Und worum es wirklich geht: Nämlich um nichts anderes als um die Durchsetzung von Parteiinteressen. FPÖ-Vertreter wollen beurteilen und definieren, wie Berichterstattung auszusehen hat. Kritische Redakteure sollen mundtot gemacht oder am besten gleich entfernt werden. Der ORF-Redakteursrat protestierte jedenfalls augenblicklich scharf "gegen diese Form von Einschüchterung und wehrt sich gegen jeden Versuch der Kontrolle der Berichterstattung durch Politiker. Was FPÖ-Politiker und ihnen nahestehende Plattformen über den ORF und seine Mitarbeiter sagen, geht seit Jahren schon weit über das normale Maß an Kritik hinaus. Es wird systematisch versucht, die Glaubwürdigkeit der ORF-Berichterstattung zu untergraben, um das Unternehmen entweder auf Linie zu bringen oder - wenn das nicht funktioniert - zu zerschlagen und über die Finanzierung auszuhungern." Und wie es scheint, ist Skrupel längst keine Kategorie mehr. Denn Journalisten aus parteipolitisch motivierten Gründen mit der Streichung ihrer Stellen zu bedrohen, ist ohne jeden Zweifel ein direkter Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ein neuerlicher Tiefpunkt der Medienpolitik. Zumal jene sachliche Kritik, die zu jeder Zeit dringend notwendig ist, nicht einmal im Ansatz zu erkennen ist. Was einen einzigen Grund hat: Um die Qualität eines bedeutenden Senders und deren Verbesserung geht es in keiner Sekunde. Interessant wird lediglich sein, wie der Koalitionspartner auf die permanenten Querschüsse reagiert. Denn auch in diesem Fall muss die ÖVP auf der Hut sein, dass sie nicht den Moment verpasst, das Überschreiten von roten Linien als solches zu benennen und zu unterbinden. Hier geht es nicht um ein paar Medien-Richtlinien, sondern um demokratische Freiheiten. Und es ist höchste Zeit, dass genau die für alle Menschen gut hörbar verteidigt wird.

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13.04.20:49
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Tag 103 - Es brodelt im Kabinett

Selbstverständlich brodelt es im Hintergrund, das wurde zuletzt zu oft von zu vielen Menschen aus dem so genannten Innercircle vermittelt. Was vor allem daran liegt, dass ein Korsett, wie es der Kanzler sämtlichen seiner auserwählten Ministern verpasst hat, zwar eine Zeit lang gut aussieht und einen gewünschten Effekt hat ... nach einiger Zeit aber mehr und mehr an allen möglichen Stellen zu drücken beginnt. So sehr, dass manche Träger und Trägerinnen nur mit Mühe davon abgehalten werden können, es sich vom Leib zu reißen. Message-Control kann enervieren, vor allem jene Betroffenen, die nicht um jeden Karrierepreis schweigen und wieder eigene Überzeugungen dienen wollen. Und genau deshalb machen jetzt die Rücktrittsüberlegungen von Justizminister Josef Moser die Runde. Und mehr noch, es wird heimlich sogar bereits über eine Regierungsumbildung gesprochen, weil das Potemkin'sche Harmoniedorf kaum noch aufrecht zu erhalten ist. Nach vier Monaten bereits. Moser jedenfalls liegt derzeit im Krankenhaus. Es geht ihm nicht gut. Der Minister leidet offizielle an einer Blutvergiftung, ob es inoffiziell auch so ist, geht uns nix an. Faktum ist, dass er erst in einer Woche wieder ins Amt zurückkehren soll. Mit welcher Motivation auch immer. Denn dass sich gerade Moser vieles, wenn nicht sogar alles, anders vorgestellt hat, liegt auf der Hand. Er selbst ist also Auslöser der Gerüchte. Im Zuge der Budgetverhandlungen für das Ressort hatte er aus Ärger über die geplanten Sparmaßnahmen in den Raum gestellt, er könnte den Hut drauf hauen. Da unter diesen engen finanziellen Vorgaben Reformen nicht mehr möglich seien. Auch das eigene Personal – vor allem die Richter und Staatsanwälte – haben Druck gemacht: Der Chef hätte schlecht verhandelt, sagen die einen. Die Tatsache, dass das Innenministerium 2100 Polizisten dazubekommt, während das Justizministerium Stellen kürzen muss, sorgt für massiven Unmut. Andere wiederum machen nicht Moser, sondern den Finanzminister und den Bundeskanzler für den restriktiven Sparkurs verantwortlich. So oder so, speziell aus dem nahen Umfeld Mosers werden immer mehr Stimmen laut, die sagen: Er ist so gut wie weg. Moser selbst hingegen dementiert das derzeit noch ganz deutlich. Er werde - Wutanfall hin oder her - nicht zurücktreten. Ob es sich also nur um ein (riskantes) Drohszenario handelt, ist ungewiss. Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache, der sich zuletzt ungewöhnlich angriffig gegen den einst blauen Aktivisten präsentierte, wollen jedenfalls nichts von einem frühen Ende einer Ära wissen. Was klar ist. Denn das würde die Erinnerungen an das einstige schwarzblaue Kabinett aufleen lassen, als man gar nicht so schnell schauen konnte, wie ein Ministeramt nach dem anderen umbesetzt werden musste. Und für Kurz selbst wäre es ohnehin fatal. Denn Moser war seine Idee, seine Erfindung. Er hat den ehemaligen Rechnungshofpräsidenten (trotz zahlreicher Widerstände aus den tiefschwarzen eigenen Reihen) als Nummer drei auf der Wahlliste und als großen Coup präsentiert, als Mann, der wie kein anderer wüsste, wo die Reformhebel anzusetzen wären (beim Konjunktiv wird es, nur so nebenbei, freilich in jedem Fall bleiben). Würde ausgerechnet Moser das Regierungsschiff verlassen, wäre das ein herber Gesichtsverlust für Kapitän Kurz, der als Instinktpolitiker den neuen Stil gebetsmühlenartig gepredigt hatte. Auch deshalb wird, um einem rebellisch anmutenden Einzelfall zuvorzuzkommen, angeblich längst an einer umfangreicheren Umbildung gebastelt. Verschleierungstaktik ist alles. Das kann noch heiter werden.

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12.04.23:19
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Tag 102 - Salzburger Lauf

Ich kann mich noch so gut erinnern. Ich war ein junger Sportjournalist, und eines Tages im Frühjahr 1994 verließ jener Berichterstatter den Kurier, der für die Salzburger Fußballer verantwortlich war. Zu einem Zeitpunkt, als die Mannschaft gerade den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte feierte. Sie hatte sich nämlich unter dem legendären Trainer Otto Baric ins Viertelfinale des UEFA-Cups gespielt, wo Eintracht Frankfurt als Gegner wartete. Das erwartete Ausscheiden vor Augen entschloss sich der Sportchef, folgendes zu tun: "Die Partie soll der Hufnagl machen". Er ahnte nicht, dass "der Hufnagl" nicht nur ein Match betreuen, sondern von da an zum Begleiter einer historischen Ära werden sollte. Denn die Salzburger warfen nicht nur die Frankfurter aus dem Bewerb (wer erinnert sich nicht an das Elferschießen, das Tormann Otto Konrad mit dem entscheidenden Schuss entschied?), sondern gleich danach auch Karlsruhe, also noch einen deutschen Klub. Und plötzlich stand das Team von Präsident Quehenberger im Finale. Als damals dritter österreichischer Verein nach Austria (1978, Niederlage gegen Anderlecht) und Rapid (1985, Niederlage gegen Everton). Und ich mittendrin. Für mich waren es Lehrjahre mit unendlich großem Wert, denn ich lernte damals das schnelle Arbeiten, das Schreiben unter einem extrem Druck, das Produzieren von sehr vielen Texten in sehr hoher Frequenz. Salzburg verzauberte damals das ganze Land. Der ORF hatte Quoten nahe der Zwei-Millionen-Grenze, und ich schrieb mir die Finger wund. das Finale gegen Inter Mailand ging dann leider verloren, obwohl die Truppe um Konrad, Pfeifenberger, Feiersinger, Artner, Hütter usw. im berüchtigten San Siro die bessere Mannschaft war. Aber auch im Jahr darauf ging es mit spaktakulären Spielen weiter, und zwar in der Champions League, als die Salzburger in der Gruppenphase nur an den späteren Finalisten AC Milan und Ajax Amsterdam scheiterten. Das alles ist mehr als zwanzig Jahre her, und ich verbinde unfassbar viele Geschichten und Anekdoten mit dieser erfolgreichen Zeit. Eingefallen ist mir das in diesen Tagen, weil es derzeit wieder eine Salzburger Mannschaft gibt, die trotz totalen Umbaus nicht nur im eigenen Land das Maß aller Dinge ist, sondern auch international in der Europa League eine erstaunliche Serie hinlegte. Mit dem triumphalen Höhepunkt heute. Was war das bitte für ein Spiel?! Nach dem Sieg in der Gruppenphase gegen Marseille (Fra), Konyaspor (Tür) und Guimaraes (Por) schossen sie erst das spanische Spitzenteam Real Sociedad, dann das deutsche Spitzenteam Borussia Dortmund, und heute auch noch das italienische Spitzenteam Lazio Rom aus dem Bewerb. Heißt: Salzburg schaffte, was in modernen Zeiten einem Verein aus einer kleinen Liga so gar nicht mehr zuzutrauen ist, den Einzug ins Halbfinale. Und wie auch noch. Nach einem 2:4 in Rom und einem frühen 0:1 im Rückspiel hatte der österreichische Meister ein paar Sternminuten, in denen er das Match drehte. Mt einer enormen Leidenschaft und einer adäquaten Portion Glück gelang eine Aufholjagd von historischer Dimension, ein 4:1 wie aus dem Traumbuch, eine Geschichte, die nach sehr, sehr langer Zeit wieder eine Gefühl der internationalen Zugehörigkeit zur Elite vermittelte. Das letzte Finale ist genau 22 Jahre her (Rapid verlor gegen Paris St. Germain), und die Salzburger stehen nun gemeinsam mit Atlético Madrid, Olympique Marseille und FC Arsenal unter den letzten Vieren. Die Konstellation erinnert mich an damals. Als von Runde zu Runde alle sagten, jetzt müsse das Wunder aber ein Ende haben ... bis zum Endspiel. Daher behaupte ich (wie schon nach dem Achtelfinale): Ein Lauf ist ein Lauf, und ich traue diesem Team - egal, gegen wen - alles zu. Sogar den Titel. Ich freue mich, dass ich so eine Euphorie wieder einmal erleben darf. Auch ganz ohne Reporterverpflichtung.

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11.04.18:43
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Tag 101 - Innere Angelegenheit?

Als wäre de Geschichte nicht schon (durch gezielt provokantes Agenda-Setzen) aufgeladen genug. Als wäre die so genannte Kopftuch-Debatte nicht ohnehin vor allem dazu da, um das Polarisierende weiter voranzutreiben und den Populisten die Atemnot, die aufgrund ganz anderer Themen entstanden ist, zu nehmen. Als gäbe es im Land allen Ernstes Tausende Kinder, die in Kindergärten und Volksschulen ihr Haar bedecken - genaue Zahlen werden wir aus gutem Grund nie erfahren, denn die Wahrheit dürfte sich nicht einmal im dreistelligen Bereich bewegen. Einerlei, die One-Trick-Ponys unserer Bundesregierung haben wieder einmal ein Zeichen gegen die verhassten Migranten gesetzt, deswegen wurden sie ja auch gewählt. Und was passiert, kaum ist die Diskussion mit den immer gleichen Argumenten voll angelaufen? Klar, die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) meldet sich zu Wort und bemüht sich nicht einmal um jenes sprachliche Geschick, das für den öffentlichen Diskurs speziell in diesen Fragen so wichtig wäre. Ich finde diese vielen Reflexe von allen nur erdenklichen Seiten schon so unfassbar mühsam, dass ich gar nicht mehr weiß, wen man noch von Kritik aussparen kann. Diesmal beharrt die IGGÖ darauf, dass die Frage bezüglich des Tragens eines Kopftuches zu den "inneren Angelegenheiten der Glaubensgemeinschaft" gehöre. Nun, ich finde, man kann tatsächlich eine Diskusson darüber führen, wie wirksam die Idee einer Verbotskultur ist (denn dass Kinder nicht zu Symbolfiguren eines Glaubens gemacht werden sollen, darüber besteht ja ohnehin kein Zweifel). Und auch darüber, ob es in diesem Sinn angebracht ist, dass Präsident Olgun festhält, die IGGÖ würde alle rechtlichen Mittel gegen ein Kopftuch-Verbot für Mädchen in Kindergärten und Volksschulen ausschöpfen. Aber die wütende Reaktion darüber hinaus schafft dennoch alles, nur eher kein Verständnis. Ich begreife einfach nicht, warum so viele Betrachtungen mit einem so sonderbaren Selbstverständnis eingebracht werden. In diesem Fall lässt sich die IGGÖ wie folgt zitieren: "Die Auslegung der islamischen Glaubenslehre liegt nicht in der Kompetenz der Politik oder Parteien". Vielmehr gehe es hier um "die ureigene Aufgabe der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich". Diese sei eine "staatlich anerkannte Religionsgesellschaft mit einem verfassungsrechtlich garantierten Bereich der inneren Angelegenheiten". So weit, so nachvollziehbar. Dazu würden insbesondere die Auslegung der Glaubensgrundsätze und die Glaubensausübung zählen. "Ob und allenfalls wie eine Kopfbedeckung zu tragen ist, fällt in die Zuständigkeit dieser inneren Angelegenheiten." Die IGGÖ betonte einmal mehr, "dass das freiwillige Tragen eines Kopftuches ein Teil der Glaubenspraxis und des Islams ist". Kinder seien von religiösen Verpflichtungen ohnehin ausgenommen. "Allerdings darf vorausgeschickt werden, dass jegliche politischen Zwänge, Verbote oder Gebote gegenüber muslimischen Kindern, als Eingriff in unsere inneren Angelegenheiten zurückzuweisen sind." Und genau das ist der Punkt. Die inneren Angelegenheiten. Genau diese Passage müssen wir uns näher ansehen. Denn die ist es, die meiner Meinung nach auf jenen Irrtum schließen lässt, der den Hetzern und konservativen Fundamentalisten alle Türen zum aggressiven Spiel öffnet. "... dass jegliche politischen Zwänge, Verbote oder Gebote gegenüber muslimischen Kindern als Eingriff in unsere inneren Angelegenheiten zurückzuweisen sind." Was soll das heißen? Dass die politisch beschlossenen Gesetze dieses Landes nur noch für alle anderen gelten, während sich die muslimische Gemeinschaft ihre eigene Regeln definiert und Eingriffe verweigert? Wer das so für sich festlegt, kann es mit dem Staat und dessen Rechtsverständnis nicht allzu ernst nehmen. Denn klar ist: Die Gesetzgeber müssen fernab der Religionsfreiheit einen Rahmen bauen, der für alle gilt und dem Wohle aller Kinder gleichermaßen dient. Dieses Ansinnen, so sehr das gerade auf ganz anderen Ebenen Schieflage hat, öffentlich in Frage zu stellen, ist ganz sicher kein guter Plan. Gebote und Verbote sollen zur Diskussion gestellt werden dürfen, jederzeit. Sie aber "zurückzuweisen" ist eine Diktion, die gefährlich ist. Denn sie ist wie ein Brandbeschleuniger für die Zündler der Republik.

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10.04.23:06
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Tag 100 - Barça ohne Herz

Heute ist der hundertste Tag des Jahres, und als er begann, hätte ich mir niemals gedacht, dass er so bitter enden würde. Ich betone: niemals! Ein kleiner Rückblick: Als vor einigen Wochen das Viertelfinale der Champions League ausgelost wurde, sprach ich in meiner Rolle als leidenschaftlicher Aficionado zu meinem Freund: "Ich würde mir wünschen, dass Barcelona nicht - wie zuletzt sehr oft - wieder einen der härtesten Gegner bekommt. Eine leichte Aufgabe wäre als Abwechslung nett, AS Roma zum Beispiel." Und kurz darauf grinste ich übers ganze Gesicht, als die Kugeln geöffnet und die Namen Barcelona und Roma gezogen wurden. Mein Gedanke war wie meistens: In einem Entscheidungsspiel wie einem Finale kann immer etwas passieren, auch die größte Sensation. Aber in Hin- und Rückspiel ist ein Team wie Barcelona nur von den ganz großen Klubs zu biegen. Vor allem in dieser Saison. Denn Barça ist in der Meisterschaft nach 31 Spielen noch immer ohne Niederlage, steht kurz vor dem Meistertitel sowie im Cupfinale, und hat auch in der Champions League nie verloren und in acht Spielen erst drei Gegentore kassiert. Meine Hoffnung, dass seit 2009 wieder einmal das erste Triple gelingen könnte, war dementsprechend groß. Und prompt verlief das erste Duell gegen Roma nach Wunsch. Zwar nicht unbedingt spielerisch, aber das Ergebnis betreffend unbedingt. 4:1. Das ist im Normalfall wie eine Garantieerklärung für die nächste Runde. Denn so einen Rückstand aufzuholen, ist grundsätzlich schon extrem schwer. Gegen Barcelona aber sollte es ein Ding der Unmöglichkeit sein. Daher nahm ich auch ziemlich entspannt vor dem Fernseher Platz. Und nicht einmal der Umstand, dass Roma schon nach sechs Minuten das 1:0 schoss, änderte etwas an meiner Haltung. Aber vielleicht war genau das das Problem. Denn gefühlsmäßig agierte auch Barça mit dieser Haltung. Heißt: Zu entspannt an die Herausforderung herangehen. Die Bedrohung nicht wahrnehmen, zu selbstsicher ein Match runterspielen wollen, mit einem Hauch von Arroganz nicht die letzte Entschlossenheit entwickeln. Die Folge: Roma wurde immer bissiger, williger, hoffnungsvoller, während Barcelona den Ernst der Lage nicht zu erkennen schien, kaum Zweikämpfe gewann, inferiore Pässe spielte und im Spiel nach vorne völlig ungefährlich war. Allmählich begann ich mich vor dem Bildschirm richtig zu ärgern, weil ich als Fan das Gefühl hatte, dass hier mit Überheblichkeit fahrlässig an die Prüfung herangegangen wird. Und prompt fiel das 2:0, was bedeutete: Ein Tor noch für die Italiener, und der Barcelona-Traum vom Triple ist wieder einmal dahin. Roma witterte die Chance auf ein sporthistorisches Wunder, während der große Favorit wie gelähmt die Gegenwehr verweigerte. Wenige Minuten vor Schluss passierte es dann: 3:0. Und ich saß fassungslos auf dem Sofa und bekam eine WhatsApp-Nachricht nach der anderen: "Was ist da los?", fragten die Freunde. Und ich antwortete nur: "Ein Desaster". Denn auch in den letzten Minuten, als mein Team endlich alles in den Angriff warf, um das eine rettende Tor zu erzielen, tat sich genau genommen nichts, was meinen Glauben an die Wende genährt hätte. Barça ließ sich in 90 grauenhaften Minuten die Arbeit einer ganzen europäischen Saison zerstören und flog aus dem Bewerb. Mein einziger Trost: Die Bilder der jubelnden Römer, auch auf den Straßen der Stadt, waren bewegend und mitreißend. Sie feierten einen verdienten Triumph, so fair muss ich als Verlierer sein. Dass es für dieses außergewöhnliche Ereignis einen völlig entrückten Gegner gebraucht hatte, ist am Ende einerlei. Aber für mich gilt: So herzlos darf sich ein stolzer Verein wie Barcelona niemals zeigen. Ja, die Enttäuschung ist tatsächlich riesengroß.

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09.04.13:05
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Tag 99 - Literatursalon zum Nachhören

Es war aus meiner Sicht eine sehr gelungene und unterhaltsame Matinee gestern in den Sträußelsälen der Wiener Josefstadt. Mein Dank gilt den Verantwortlichen von Radio Wien, die mir die Möglichkeit gegeben haben, mein Buch und mein Programm in einem sehr besonderen Rahmen zu präsentieren. Leila Mahdavian, die mich als Moderatorin sehr empathisch und inspiriert begleitet hat, und natürlich den vielen Menschen, die sich an einem prachtvollen Frühlingstag tatsächlich ins Theater gesetzt haben, um mir zuzuhören. Ich war wieder einmal extrem nervös, speziell vor diesem Format bestehend aus Dialog und Vortrag, und ich bin jetzt erleichtert, dass alles gut gegangen ist, das Feedback so fröhlich positiv war, und eine Menge Spendengeld zusammengekommen ist. Tipp: Wer sich die Sendung anhören will, bitte sehr, hier ist der Link. Ich werde das wie immer nicht tun, sonst werde ich ganz narrisch, weil ich so vieles anders und besser hätte machen müssen. Danke für die Aufmerksamkeit, eine schöne Woche ...

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08.04.22:34
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Tag 98 - Orbáns Machtausbau

Bis zum Schluss lebte die Hoffnung, zumindest ein wenig: An einem Sieg von Ministerpräsident Viktor Orbán bei der Parlamentswahl in Ungarn hatte nie jemand gezweifelt. Die Frage war lediglich, wie deutlich er ausfallen würde. Und diesbezüglich bestand durchaus der Glaube, es könnte massive Verliste geben. Was zwar an den Machtverhältnissen letztebdlich kaum etwas verändern würde, das Signal zur Entradikalisierung wäre allerdings bedeutend gewesen ... vielleicht sogar in Österreich. Nur, es kam anders. Sehr anders. Denn Viktor Orbán gewann die Wahl mit einer Deutlichkeit, die den Verdacht nährt, dass Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Nationalismus mehr denn je zum Erfolgsprodukt werden. Und nicht nur in Ungarn satte Mehrheiten garantieren. Eine dritte Amtszeit ist dem 54-jährigen Autokraten (dessen Minister auch mit Wien als Bedrohungsszenario für Überfremdung geworben hatte) jedenfalls sicher. Seine Fidesz-Partei kommt nach Auszählung fast aller Stimmen laut Wahlkommission mit 133 der 199 Sitze auf eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. "Ungarn hat einen großen Sieg errungen", rief Orbán seinen jubelnden Anhängern zu. Und für die vielen europäischen Gegner des Hardliners mag es wie die Sicherstellung eines gigantischen Konflikpotenzials geklungen haben. Denn Orbán hatte sich im Wahlkampf eindeutig gegen Einwanderung, welche Pensionen udn Familienunterstützungen gefährde, positioniert und damit Politologen zufolge vor allem auf den Land gepunktet.Und als wäre das noch nicht genug, entfallen nach Angaben der Wahlkommission auf die rechtsnationale Partei Jobbik voraussichtlich 26 Sitze, auch noch deutlich mehr als auf die Sozialisten (20). Damit haben die Rechten in Ungarn mit ungewöhnlich hoher Wahlbeteiligung von 67 Prozent ihre Macht zementiert, und es ist zu befürchten, dass sie mit ihrer harten Programmatik und ihren großen Erfolgen da und dort als Role Models betrachtet werden. Die Gratulationen aus Österreich jedenfalls ließen nicht lange auf sich warten. Was für eine düstere Erkenntnis. Denn nun bleibt Ungarn vermutlich mehr denn je auf bedingungslosen Konfrontationskurs gegenüber der EU, mit der klaren Absage an eine solidarische Asylpolitik im Rücken. Und auch der ohnehin schon fragwürdige Umgang mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, mit Justiz und Medien, erhielt neue Nahrung. Denn wer so viel Zuspruch von den Menschen bekommt, sieht sich wohl auf dem Weg zur noch entschlosseneren One-Man-Show bestätigt. Es ist mitunter schwer zu begreifen, aber die Sehnsucht nach einem Führerkult wächst und wächst. Und das ist alarmierend und deprimierend.

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07.04.23:54
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Tag 97 - Böhmermanns Romy

Ich gestehe, dass ich Jan Böhmermann nur partiell gut finde. Wenn der deutsche Satiriker allerdings den Nerv trifft, dann richtig. Und mitunter meisterlich. So oder so bin ich froh, dass es TV-Formate wie das Neo Magazin Royal überhaupt gibt und geben darf. In Deutschland wohlgemerkt. In Österreich wäre ein so scharfer und bitterböser Zugang, wie ihn Böhmermann als Idee regelmäßig verwirklicht, völlig undenkbar. In diesem Land gilt schon Willkommen Österreich als gnadenlose Abrechnung, vor allem mit den Regierenden. Dabei sind Grissemann & Stermann allerdings weit entfernt von jener provokanten Extremüberhöhung, die es zur Bewusstwerdung gerade jetzt so dringend bräuchte, und die das Duo mit Sicherheit auch gerne liefern würde ... wäre der öffentlich-rechtliche Anstand nicht so ritualisiert. Das Risiko, Satiriker im Bedarfsfall auch weit über das Ziel schießen zu lassen, geht niemand ein. Was ich höchst bedauerlich finde. Umso spannender war die Nominierung Böhmermanns zur Romy 2018, in der Kategorie "Beliebteste Unterhaltungsshow". Denn der deutsche Feingeist nahm bereits dieses Ereignis zum willkommenen Anlass für Eigenwerbung - in gewohnter Art und Weise. In diesem Video mobilisierte Böhmermann seine Fans (die für ihn anrufen mussten) und ließ bereits erahnen, was im Falle eines Erfolgs in der Wiener Hofburg geschehen könnte. Immerhin wollte er "ganz Alpenungarn" auf der Bühne ordentlich schockieren. Nun, damit weckte er natürlich meine Erwartungshaltung, und ich weiß, welchen Stress er den Verantwortlichen der großen Abendshow bescherte. Denn klar ist, dass sich österreichische Laudatoren und Preisträger im Laufe der vielen Jahre längst ein unterhaltsames, bestenfalls im Ansatz kritisches, Romy-Wording zurecht gelegt haben. Dankesreden sind in diesem Sinne von großer Verlässlichkeit, die Zahl der Skandale tendiert historisch betrachtet gegen null. Bei Böhmermann hingegen wusste niemand, ob der als unguided missile womöglich eine Bühnendetonation inszeniert, dass es nur so kracht im Staate Österreich. Denn, gewonnen hat er, und allfällige Interventionen von ORF und Kurier zur Mäßigung hätten wohl eher kontraproduktiv gewirkt. Ich habe jedenfalls schon auf einen Atemstillstandseffekt gehofft, zumal auch der Medienminister im Saal anwesend war, und ich ziemlich gerne einen lauten Knall erlebt hätte. Nur leider, er kam nicht. Zumindest nicht in der Wucht, die ich erhofft hätte. Wer die ganze Rede hören will, hier ist sie. Da ist natürlich ein Fingerzeig in Richtung FPÖ-TV dabei, eine spitzfindige Abrechnung mit den nie eingehaltenen Versprechungen im Falle einer Romy-Eroberung ("Ich habe Ihnen das erzählt, was Sie hören wollten ... "Sie wurden von einem unseriösen, windigen Populisten hinters Licht geführt – wahrscheinlich zum allerersten Mal in Ihrer Geschichte"), und auch das Finale dürften manchen Menschen als Volksbeleidigung auffassen - in Österreich, sagte er, ruhe er sich gern aus: Es sei eben "ein Land, das vom Zweiten Weltkrieg und der Verantwortung für den Nationalsozialismus völlig unberührt ist". Klar sitzt das. Aber ich war am Ende doch ein wenig enttäuscht, weil Böhmermann seinem Ruf als Scheißmichnix kaum gerecht wurde. Vielleicht fiel ihm und seinem Team auch einfach nicht mehr ein. Oder aber, das dicke Ende kommt erst. Ein Satiriker sollte ja nicht unbedingt das Naheliegende und Erwartbare produzieren. Und da viele von Neo-Royal-Entourage in Wien mit von der Partie waren, lebt die Hoffnung: Dass die wahre Pointe erst (in der nächsten Sendung) kommt.

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06.04.23:25
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Tag 96 - Der Effizienz-Quatsch

Es fällt nicht leicht, aber ich versuche ganz ehrlich, das trivialste aller Motive nicht in Betracht zu ziehen, um meiner Fassungslosigkeit Ausdruck zu verleihen. Faktum ist: Beate Hartinger-Klein hat sich vor einigen Jahren um den Generaldirektorsposten bei der AUVA beworben. Was sie in ihrer Wahrnehmung dazu befähigt hätte, ein solches Amt seriös und erfolgreich auszuführen, bleibt ihr Geheimnis. Offiziell wurde nur, dass sie vom Dreier-Vorschlag gestrichen und somit nicht mit jener gigantischen Verantwortung ausgestattet wurde, die sie gerne gehabt hätte. Doch damit nicht genug. Hartinger-Klein fühlte sich ungerecht behandelt und klagte. Ihrer Ansicht nach wäre das Gleichbehandlungsgesetz in ihrem Fall nicht angewandt worden. Nun, das steht ihr frei, und so musste also die Justiz entscheiden. Und das tat sie. Und zwar zweimal gegen die Klägerin. Der Antrag wurde in erster und zweiter Instanz abgelehnt. Es stand jedoch im Raum, allenfalls noch auf ein außerordentliches Rechtsmittel zurückzugreifen. Darauf verzichtete sie allerdings, dem Vernehmen nach deshalb, weil sie bereits wusste, dass sie MInisterin werden könnte. Es erschiene daher in Anbetracht der aktuellen Ereigniss rund um die möglicherweise geplante Zerschlagung der AUVA naheliegend, dass Beate Hartinger-Klein hier ihre ganz persönliche Vendetta veranstalten würde. Nur, das halte ich bei genauer Abwägung am Ende für ziemlich absurd. Nicht, weil ich der Ministerin derlei Rachegelüste nicht zutrauen würde (ein hohes Maß an fragwürdiger Befangenheit ist es so oder so). Aber ein 1,4-Milliarden-Euro-Ding aus gekränkter Motivation dem Erdboden gleich zu machen, wäre definitiv eine Nummer zu groß für die gute Frau. Zumal sie bekanntermaßen - wie sämtliche ihrer Kolleginnen und Kollegen - im Namen der Republik nicht einmal Kopierpapier einkaufen darf, ohne vorher die Message-Controler rund um Superbasti um Erlaubnis zu fragen. Es darf also sehr wohl davon ausgegangen werden, dass der Druck auf die AUVA akkordiert ist, und dass die Regierungsvasallin Beate Hartinger-Klein vor allem dazu da ist, sich jene öffentliche Watschen abzuholen, die zu solchen grenzwertigen Initiativen dazugehören. Und aus genau dieser Perspektive muss das heutige ZiB2-Interview betrachtet werden. Dann fällt es allenfalls ein bisserl leichter, diesen unerträglichen Qatsch, den die FPÖ-Sprechtante im Gespräch mit Lou Lorenz-Dittlbacher von sich gibt, einzuordnen. Man ist ja von den Sprachrobotern aus der Politik im allgemeinen und den schwarzblauen Verkündungsindustriellen im speziellen einiges gewöhnt - aber wieviel Nichts und Unsinn die so genannte Sozialministerin in so kurzer Zeit vn sich gibt, hat schon eine ganz besondere Qualität. Denn über diesen Satzkaskaden voller Binsen steht das Wort "Unwahrheit" so sichtbar wie kaum sonst geschrieben. Hier muss jemand eine Maßnahme verkaufen, die nicht zu verkaufen ist, und dabei alle wahren Motive so gut es geht verschleiern. Und dann passiert es eben, dass eine Ministerin sich offensichtlich nicht geniert, in einem Atemzug die Einsparung um ein Drittel des Gesamtbudgets zu fordern, und das im Sinne der Effizienz für eine bessere Leistung für die Versicherten - na genau. Oder nicht das geringste Problem damit hat, ununterbrochen von Strukturreform und Budgetreduktion im Verwaltungsbereich zu sprechen, wohl wissend, dass beispielsweise ein (undenkbares) Eliminieren des gesamten Personals nicht einmal ein Fünftel der geforderten Betrags brächte. Eine solche groteske Verarschnung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Man bedenke: Diese Regierung ist seit Weihnachten im Amt, verlangt von der AUVA bereits im April nachweisbare Einsparungskonzepte für ein Volumen von 500 Millionen, um ein Ultimatum zu rechtfertigen und glaubt ernsthaft, das würde nicht jeder durchschnitlich begabte Denker als widerwärtige Augenauswischerei entlarven. Oh nein, hier geht es nicht um eine Idee im Sinne der Ökonomie und der Menschen. Hier geht es tatsächlich um etwas ganz anderes. Einmal genau hinsehen und durchrechnen genügt, um zu sehen, wer am Ende nach diesem Axthieb (einmal mehr) begünstigt sein wird. Apropos, wo ist eigentlich die Opposition ... noch auf Urlaub mit dem Osterhasen?

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einfach unfassbar ...

... welche "Reformen" samt ihrer unsäglichen "Verkäufer" uns da zugemutet werden von dieser Regierung. Wie eine wild gewordene Elefantenherde
(die Elefanten mögen mir diesen Vergleich nachsehen) trampeln sie durch
den Porzellanladen unserer Republik. Habe mir das Interview dank Ihres
links gerade angesehen und bin einfach fassungslos ob dieser Vorstellung einer sogenannten Sozielministerin.
Ja, unser lieber Bast hatte Recht mit seinem Wahlslogan "Es ist Zeit" ,
nämlich Zeit zum Fürchten, was da noch alles auf uns zukommen mag.
Doris Alt 09.04.2018, 21:52
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